Am Mittwoch hat die amerikanische Nvidia immerhin ein Plus von 0,83 % geschafft. Die Notierungen sind dabei auf einen Wert von rund 197,30 Euro geklettert. Viel fehlt nicht mehr, um die Marke von 200 Euro zu erreichen, so die Chartanalysten. Bei rund 213 Euro wäre dann sogar das Allzeithoch erreicht. Kein Wunder.

Die Nachfrage nach Nvidias leistungsstarken KI-Chips bleibt hoch. Doch der schnelle Ausbau der Rechenzentren bringt ein Problem ans Licht, das sich nicht allein durch mehr Halbleiterproduktion lösen lässt: An manchen Standorten fehlt die Energie, um bereits gelieferte Systeme tatsächlich zu betreiben. Interne Unterlagen von Amazon Web Services verdeutlichen die Folgen. Der Cloud-Anbieter übernimmt fertig bestückte Serverracks mit Nvidia-Technik teilweise früher als üblich, obwohl die vorgesehene Infrastruktur noch nicht ausreichend mit Strom versorgt werden kann.

Damit entstehen erhebliche Kosten, bevor die Hardware ihre eigentliche Aufgabe erfüllt. Systeme im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar liegen vorübergehend auf Lager, statt zusätzliche Rechenleistung für Cloud-Kunden bereitzustellen. Amazon hat das Kapital für die Geräte bereits gebunden, kann daraus aber noch nicht im vorgesehenen Umfang laufende Einnahmen erzielen. Zur finanziellen Belastung kommen Ausgaben für Lagerung und Transport hinzu. Je länger die Inbetriebnahme auf sich warten lässt, desto länger bleibt ein Teil der Investitionen ohne den erwarteten operativen Nutzen.

Die Märkte zögern noch vor der Marke von 200 Euro

Für Nvidia ist die Situation zunächst nicht mit einem unmittelbaren Auftragsverlust gleichzusetzen. Die betroffenen Serverracks wurden nach den vorliegenden Informationen von Großkunden wie Amazon bereits angenommen und bezahlt. Die Nachfrage nach den Hochleistungsprozessoren ist damit nicht grundsätzlich infrage gestellt. Das Risiko liegt vielmehr in der nächsten Phase des Investitionszyklus: Wenn Cloud-Anbieter ihre vorhandenen Systeme noch nicht wirtschaftlich nutzen können, könnte sich die Bereitschaft zu weiteren großen Bestellungen mit der Zeit abschwächen.

Die Stromversorgung wird damit zu einem entscheidenden Faktor für die Wirtschaftlichkeit neuer Rechenzentren. Der Aufbau solcher Anlagen erfordert nicht nur Prozessoren und Serverracks, sondern auch leistungsfähige Netzanschlüsse und eine passende Energieinfrastruktur. Verzögerungen an dieser Stelle können den Ertrag bereits getätigter Investitionen verschieben. Für Nvidia entsteht daraus ein mittelbares Risiko: Bleibt die Nutzung der vorhandenen Hardware hinter den Erwartungen zurück, könnten Kunden spätere Erweiterungen langsamer angehen.

Und dennoch: Die Aktie hat alle Chancen, meinen auch Kursanalysten mit hohen Zielen. Zudem ist die Stimmung bedingt durch gute Zahlen von SK Hynix nun wieder besser geworden.