Als Elon Musk am 4. August während der ersten Bilanzkonferenz von SpaceX als börsennotiertem Unternehmen die Vera-Rubin-Architektur von Nvidia lobte, war die Reaktion an der Börse eindeutig: „Wir glauben, die Vera-Rubin-Architektur ist die beste Architektur. Wir halten sie für den besten KI-Computer, und wir schätzen unsere enge Kooperation und Partnerschaft mit Nvidia auf vielen Ebenen sehr“, sagte Musk. SpaceX will Vera Rubin nicht nur in eigenen und xAI-Rechenzentren einsetzen, sondern auch im Weltraum – über die Starmind-Satellitenrecheneinheit, deren Start für das kommende Jahr geplant ist. Die Nvidia-Aktie schoss im US-Handel über 219 Dollar, die Marktkapitalisierung kletterte auf rund 5,35 Billionen Dollar.

Für mich zeigt dieser Moment exemplarisch, wie sehr die Nvidia-Story inzwischen von Prominenz-Effekten lebt. Ein Satz von Musk reicht, um Milliarden an Bewertung zu bewegen. Bezeichnend ist allerdings, was vier Tage später folgte: In Marktkommentaren wurde relativiert, dass die Exklusivitäts-Bekundung von SpaceX kaum ins Gewicht fällt. SpaceX gab im ersten Halbjahr rund 28,5 Milliarden Dollar für Investitionen aus, aufs Jahr gerechnet knapp 60 Milliarden – verglichen mit den 100 bis über 200 Milliarden Dollar, die große KI-Hyperscaler allein in diesem Jahr in Rechenzentren stecken. Die Begeisterung mag also berechtigt sein, ihre finanzielle Substanz bleibt überschaubar.

Burrys Warnung vor der zirkulären Spirale

Deutlich schwerer wiegt für mich eine andere Meldung vom 4. August. „The Big Short“-Investor Michael Burry wies darauf hin, dass Nvidia offenbar Kredite in Höhe von rund 250 Milliarden Dollar besichert, die mit OpenAIs Rechenzentren verknüpft sind – und damit letztlich die eigenen Kunden finanziert, die anschließend Nvidias Chips kaufen. Burry sprach von „zirkulären Ausgaben biblischen Ausmaßes“, einer Schleife, in der Umsatz und Garantien sich gegenseitig nähren. Bemerkenswert: Auch Bernstein-Analyst Stacy Rasgon, dessen Haus die Aktie mit Kaufempfehlung und Kursziel 315 Dollar versieht, äußerte dieselbe Sorge. Wenn selbst ein optimistisch eingestelltes Analysehaus die Zirkularität thematisiert, ist das kein reines Bären-Narrativ mehr, sondern ein Punkt, den auch Bullen im Blick haben sollten. Bereits am 2. August hatte Burry seine bearishen Optionswetten gegen Nvidia und Micron ausgebaut – die Investoren richten den Blick nun gezielt auf die Quartalszahlen am 26. August, um zu sehen, ob sich der KI-Investitionszyklus abflacht.

Insider verkaufen, Partnerschaften laufen weiter

Parallel zu dieser Debatte läuft das operative Geschäft ungebremst: Ende Juli verkündete Nvidia eine langfristige Partnerschaft mit Safe Superintelligence unter Ilya Sutskever, Bloomberg bezifferte das Investitionsvolumen auf 5 Milliarden Dollar, offiziell bleibt die Summe unbestätigt. Dazu kommen die zuvor verkündete Kooperation mit der SK Group über mehr als 500 Milliarden Dollar sowie Projekte mit NAVER, Brookfield und KAIST zum Ausbau koreanischer KI-Infrastruktur. Operativ wirkt Nvidia so präsent wie nie.

Auf der Eigentümerseite zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Direktor Mark A. Stevens veräußerte über verbundene Trusts am 18. Juni 885.000 Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von etwa 209 bis 210 Dollar. Über das erste Quartal 2026 summierten sich die Insider-Verkäufe auf mehr als 3,3 Milliarden Dollar – bei null Käufen durch Insider im selben Zeitraum. Jensen Huang selbst hält weiterhin rund 860 Millionen Aktien, etwa 3,5 Prozent des Unternehmens, aktuell mehr als 150 Milliarden Dollar wert. Auf institutioneller Seite zeigte sich Anfang August ein gemischtes Bild: SCS Capital Management reduzierte seine Position um 8.590 Aktien, während Antipodes Partners um 222.759 Aktien aufstockte.

Mein Fazit vor dem 26. August

Am Freitag schloss die Aktie bei 193,68 Euro, ein Plus von 2,03 Prozent, und liegt binnen sieben Tagen bereits 11,23 Prozent im Plus – nur noch 4,36 Prozent unter dem Rekordhoch. Charttechnisch ist das eine Aktie im Aufwärtstrend. Am 26. August legt Nvidia nach US-Börsenschluss die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor, das am 26. Juli endete; Analysten erwarten im Konsens einen Gewinn von 2,13 Dollar pro Aktie bei einem Umsatz von 93,61 Milliarden Dollar. Von 37 Analysehäusern votierten am Dienstag 36 für Kauf, nur eines für Halten, das durchschnittliche Kursziel lag bei rund 309 Dollar. Auch ein automatisierter Screener von Zacks Investment Research führte die Aktie kürzlich als Strong-Buy-Wachstumswert.

Unterm Strich sehe ich zwei Nvidia-Geschichten parallel laufen: eine der ungebrochenen Nachfrage und wachsender Partnerschaften, und eine der stillen Warnsignale – Kreditbesicherungen, die den eigenen Absatz stützen, sowie Insider, die verkaufen, aber nicht kaufen. Für die kommenden Wochen dürfte entscheiden, welche der beiden Erzählungen am 26. August die Oberhand gewinnt.