Nvidia baut seine Rolle als Infrastruktur-Rückgrat der amerikanischen Verteidigung aus. Am Mittwoch stand CEO Jensen Huang an der Naval Postgraduate School in Monterey und weihte den ersten DGX-GB300-Supercomputer im US-Militär ein. Für einen Chiphersteller ist das ein ungewöhnlicher Auftritt — und ein starkes Signal an Washington.
Huang nannte Künstliche Intelligenz das „Rückgrat der amerikanischen Verteidigung“. Der Supercomputer entstand über ein Kooperationsabkommen für Forschung und Entwicklung. Er soll Autonomie-Systeme, Ozean-Modelle und digitale Zwillinge vorantreiben. Partner wie DDN, VAST Data und Vertiv lieferten Hardware und Integration.
Neue Netzwerk-Plattform für die nächste KI-Generation
Parallel zum Militär-Deal bringt Nvidia die Spectrum-6-Plattform auf den Markt. Das Ethernet-System schafft 102,4 Terabit pro Sekunde Bandbreite — doppelt so viel wie die Vorgängergeneration. Damit legt Nvidia das Netzwerk-Fundament für die kommende Vera-Rubin-Architektur.
Die Technik soll die Kommunikation zwischen hunderttausenden KI-Prozessoren beschleunigen. Schnelleres Training, effizientere Ressourcennutzung: Das ist das Ziel. Microsoft, Tesla, Nebius und SpaceXAI zählen zu den ersten Kunden, die Spectrum-6 einsetzen.
Dunkle Glasfasern und eine Beteiligung an Nebius
Nvidia kauft still und leise sogenannte Dark Fiber auf — ungenutzte Glasfaserkabel quer durch die USA. Berichten vom Mittwoch zufolge sollen diese Leitungen dedizierte Hochgeschwindigkeitskorridore für Nvidias Neocloud-Kunden schaffen. CoreWeave etwa profitiert davon, um die Infrastrukturlücke zu Amazon und Microsoft zu schließen.
Eine Pflichtmitteilung aus dieser Woche brachte zudem eine weitere Zahl ans Licht: Nvidia hält 9,3 Prozent an Nebius Group, einem Anbieter für KI-Infrastruktur. Das passt zur bereits angekündigten Investition von zwei Milliarden Dollar in das Unternehmen. Ziel sind KI-Rechenzentren in Europa, darunter Projekte in Finnland und Frankreich.
Rekordumsatz und Aktienrückkauf
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, wie stark das Geschäft läuft. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Nvidia einen Rekordumsatz von 81,61 Milliarden Dollar — ein Plus von 85,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein das Segment Data Center Networking brachte 14,8 Milliarden Dollar ein.
Der Vorstand hat zusätzlich ein Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar genehmigt. Das Kapital soll an die Aktionäre zurückfließen.
Bei institutionellen Anlegern zeigt sich ein gemischtes Bild. 180 Wealth Advisors LLC reduzierte seine Nvidia-Position im dritten Quartal um 1,7 Prozent. Ferguson Wellman Capital Management hält dagegen weiter eine Beteiligung im Wert von rund 327,1 Millionen Dollar, trotz leichter Reduzierung im jüngsten Quartal.
Kurs unter dem Hoch, aber im Aufwärtstrend
Die Aktie notiert aktuell bei 184,88 Euro und liegt damit 8,70 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro aus Mitte Mai. Der langfristige Trend bleibt intakt: Der Kurs liegt deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 166,02 Euro.
Der jüngste Rückgang wirkt damit eher wie eine Verschnaufpause als wie ein Warnsignal. Die Kombination aus Militär-Auftrag, neuer Netzwerktechnik und der Nebius-Beteiligung zeigt, wie breit Nvidia sein Geschäft inzwischen aufstellt — weit über klassische Grafikchips hinaus.
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