Ausgerechnet der bislang gefeierte Ausbau der KI-Infrastruktur sorgt plötzlich für Zweifel auch bei Nvidia. Die Aktie des amerikanischen Chipkonzerns verlor vor wenigen Tagen am Donnerstag mehr als 3,8 % und fiel in Deutschland auf gut 205 Euro. In den USA wurden nur noch rund 230 Dollar gezahlt. Am Freitag beruhigte sich die Szenerie etwas. Die Notierungen kamen auf ein Minus von -0,3 %. Bei annähernd 205 Euro nun ging Nvidia in das Wochenende und kommt in etwa auf diesem Niveau auch aus der Pause heraus: Die Aktie bleibt mit einem minimalen Plus bei 205 Euro stecken.
Das ist ein deutlicher Rückschlag gegenüber dem jüngsten Rekordhoch von 243 Dollar. Allerdings wäre es verfrüht, deshalb schon das Ende des Aufwärtstrends auszurufen. Auf Sicht von fünf Handelstagen liegt Nvidia noch immer nur -1,2 % hinten. Auch der Abstand zur 200-Tage-Linie beträgt weiterhin positive 17,4 %. Der langfristige Aufwärtstrend ist damit noch intakt.
Dennoch hat der jüngste Kursrutsch eine bemerkenswerte Grenze berührt. Der Börsenwert von Nvidia sank wieder unter die Marke von fünf Billionen Euro. Mit rund 4.996,9 Milliarden Euro liegt die Marktkapitalisierung nur knapp darunter. Es ist vor allem ein symbolischer Rückschlag für ein Unternehmen, dessen Bewertung lange nahezu unaufhaltsam gestiegen war.
Angst wegen dieser Meldungen
Auslöser der neuen Skepsis sind weniger die Geschäftszahlen von Nvidia selbst als vielmehr Nachrichten aus dem Umfeld der künstlichen Intelligenz. Besonders OpenAI hat die Erwartungen des Marktes enttäuscht.
Das Unternehmen wies Ende September einen annualisierten Umsatz von gut 50 Milliarden Dollar aus. Zuvor waren am Markt Werte von 68 bis 70 Milliarden Dollar angenommen worden. Die Differenz ist erheblich und wirft Fragen nach dem tatsächlichen Tempo des KI-Wachstums auf.
Dabei wächst OpenAI weiterhin kräftig. Berichten zufolge stieg die annualisierte Umsatzrate im dritten Quartal um 77 %. Für einen weiteren Unternehmensbereich wurde sogar ein Zuwachs von 107 % genannt. Das Problem liegt also nicht darin, dass das Geschäft schrumpft. Vielmehr hatten die Börsen offenbar noch größere Wachstumsraten erwartet.
Daraus entsteht nun eine neue Diskussion: Werden weltweit möglicherweise mehr Rechenkapazitäten aufgebaut, als die Nachfrage nach KI-Anwendungen kurzfristig rechtfertigt?
Sollten tatsächlich Überkapazitäten entstehen, könnten Unternehmen ihre Investitionen in die technische Infrastruktur reduzieren. Das würde insbesondere Nvidia treffen. Schließlich gehört der Konzern zu den wichtigsten Ausrüstern des KI-Booms und profitiert unmittelbar vom Kauf leistungsfähiger Grafikprozessoren.
Bislang ist diese Befürchtung allerdings vor allem ein Szenario. Aus einem enttäuschenden Umsatzwert von OpenAI lässt sich noch nicht ableiten, dass die Nachfrage nach Nvidia-Chips dauerhaft nachlassen wird.
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