Jensen Huang hat auf der Hauptversammlung eine unmissverständliche Botschaft gesendet: Wer Nvidia-Chips schmuggelt, bekommt keinen Support. Und ohne Support funktioniert kein KI-Rechenzentrum.

Der CEO erklärte am 24. Juni vor Aktionären, dass das Unternehmen bei Konflikten zwischen kommerziellen Chancen und der nationalen Sicherheit der USA stets amerikanische Interessen priorisiert. Unternehmen, die Nvidia-Hardware illegal in exportbeschränkte Länder wie China einführen, würden beim Aufbau funktionsfähiger KI-Infrastruktur scheitern. Der Grund ist simpel: Nvidia verweigert Support und Reparaturen für Produkte, die unter Exportbeschränkungen fallen.

Schmuggel als Sackgasse

Die Warnung kommt nicht im Vakuum. Taiwan führte im Mai 2026 seine erste strafrechtliche Durchsetzungsmaßnahme gegen illegale KI-Hardware-Exporte durch. Behörden durchsuchten 12 Standorte und erwirkten Haftbefehle gegen drei Personen — darunter Supermicro-Mitgründer Wally Liaw. Der Vorwurf: gefälschte Dokumente, um Nvidia-Server nach China, Hongkong und Macau zu schmuggeln.

Huang beschrieb moderne KI-Rechenzentren als hochintegrierte Systeme, die auf vertrauenswürdiger Hardware, Software, Vernetzung und laufendem Support basieren. Ohne diesen Support sind geschmuggelte Komponenten kaum nutzbar. Das ist kein Zufall — es ist Systemdesign.

China-Geschäft schrumpft, H200-Lizenzen liegen brach

Nvidias China-Umsatz ist unter dem Druck der seit 2022 verschärften Exportkontrollen auf rund neun Prozent des Gesamtumsatzes im Fiskaljahr 2026 gesunken. Im Vorjahr waren es noch 13 Prozent.

Die Trump-Regierung hat zwar Verkäufe des H200-Chips an zugelassene chinesische Unternehmen genehmigt. Huang räumte jedoch ein, dass Nvidia aus diesen Lizenzen bislang keine Einnahmen erzielt hat. Ob China die Importe überhaupt zulässt, ist offen. Peking hat seinerseits Beschränkungen für Nvidia-Chips eingeführt — als Gegenzug zu US-Maßnahmen.

KI-Rendite und Kapitalrückgabe

Huang zeigte sich beim kommerziellen Ausblick selbstbewusst. Die Frage nach dem Return on Investment für KI sei beantwortet, sagte er. Als Beleg nannte er GitHub: Pull Requests haben sich in diesem Jahr durch KI-generierten Code fast verdreifacht. Mehr nützlicher KI-Output bedeutet mehr Bedarf an Rechenleistung.

Auf die Konkurrenz durch spezialisierte KI-Chips angesprochen, argumentierte Huang, Nvidias Systeme lieferten zwar nicht den niedrigsten Kaufpreis, aber die niedrigsten Kosten pro Token, den höchsten Token-Durchsatz und den größten Umsatzbeitrag. Blackwell erreiche in bestimmten Benchmarks einen 30-fach höheren Token-Durchsatz als Vorgänger.

Bei der Kapitalrückgabe bekräftigte Huang das Ziel, 50 Prozent des freien Cashflows über Aktienrückkäufe und Dividenden auszuschütten. Der Vorstand hatte im Mai ein milliardenschweres Rückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar genehmigt und die Quartalsdividende von einem Cent auf 25 Cent je Aktie erhöht. Im Fiskaljahr 2026 erwirtschaftete Nvidia mehr als 96 Milliarden Dollar freien Cashflow.

Kurs stabil, aber unter dem 50-Tage-Schnitt

Die Aktie notiert aktuell bei 177,62 Euro, ein Plus von 1,30 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von rund zehn Prozent zu Buche. Mit Blick auf den 50-Tage-Durchschnitt von 181,22 Euro liegt der Kurs allerdings noch knapp darunter — ein technisches Signal, das kurzfristig Gegenwind signalisiert.

Das nächste konkrete Datum für Anleger ist der nächste Quartalsbericht. Bis dahin dürfte die Frage, ob die H200-Lizenzen für China irgendwann Umsatz generieren, ein zentrales Beobachtungsfeld bleiben.