Der Halbleiterkonzern Nvidia vertieft seine Zusammenarbeit mit der US-Regierung und Forschungseinrichtungen. Beim Gipfeltreffen „Science: A New Golden Age“ in Washington kündigten elf Industriepartner am heutigen Donnerstag Rechenkapazitäten im Wert von 2,4 Milliarden US-Dollar für die nationale Forschungsinitiative „Genesis Mission“ an.
Den größten Einzelbeitrag leistet Nvidia mit einer Zusage über fünf Jahre, die Rechenressourcen im Wert von einer Milliarde US-Dollar umfasst. Zugleich zeichnet das Weiße Haus Konzernchef Jensen Huang am heutigen Tag mit der National Medal of Science aus.
An den Finanzmärkten sorgten die Meldungen für keine unmittelbare Euphorie. Im deutschen Handel notiert das Papier von Nvidia bei 207,20 Euro, was einem Tagesverlust von 2,3 Prozent entspricht. Gleichwohl summiert sich das Kursplus seit Jahresanfang auf 29 Prozent.
Rechnerkapazitäten für Forschung und Behörden
Die Bereitstellung der Rechenleistung zielt vor allem auf Forschungsprojekte in den Bereichen Quantencomputing, Superintelligenz, Energiesicherheit und Medizin ab. Huang erklärte auf dem Gipfeltreffen, dass die Technologie US-Wissenschaftlern modernste Superintelligenz für Fortschritte in der Medizin, Materialforschung und Energietechnik erschließen solle.
Nvidia stützt sich dabei auf etablierte Verbindungen zu nationalen Laboratorien. So kooperiert das Unternehmen seit über zwei Jahrzehnten mit US-Forschungszentren und baut am Argonne National Laboratory derzeit den größten wissenschaftlichen Supercomputer des US-Energieministeriums.
Zwei Systeme an diesem Standort, genannt Solstice und Equinox, sollen mit Blackwell-Grafikprozessoren kombiniert eine Rechenleistung von 2.200 Exaflops für künstliche Intelligenz bereitstellen.
Politische Aufmerksamkeit und Portfolio-Meldungen
Die Auszeichnung Huangs fiel zeitlich mit der Veröffentlichung einer behördlichen Finanzoffenlegung von Donald Trump zusammen. Die Berichte über Wertpapiergeschäfte aus dem August weisen auch Transaktionen in Nvidia-Titeln aus.
Demnach kaufte Trumps Portfolio im August Aktien des Halbleiterherstellers im Wert von bis zu 1,6 Millionen US-Dollar und veräußerte Papiere für bis zu eine Million US-Dollar. Nach Angaben des Weißen Hauses verwalten unabhängige Finanzinstitute das Portfolio und bilden Marktindizes ab.
Parallel dazu treibt Nvidia das Kerngeschäft voran. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 kletterte der Konzernumsatz im Jahresvergleich um rund 106 Prozent auf 96,22 Milliarden US-Dollar. Das Segment für Rechenzentren lieferte mit 89,02 Milliarden US-Dollar den Löwenanteil des Wachstums. Für das dritte Quartal peilt das Management bereits Erlöse von 108,0 Milliarden US-Dollar an.
Hyperscaler sichern künftige Auslastung
Die langfristige Nachfrage nach Nvidias Beschleunigern bleibt eng an die Investitionsbudgets der Technologiekonzerne gekoppelt. Analyst Daniel Ives verweist darauf, dass die fünf führenden Cloud-Plattformen allein in diesem Jahr Ausgaben von rund 850 Milliarden US-Dollar veranschlagen. Für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 plant beispielsweise AWS den Einsatz von zwei Millionen Nvidia-Grafikprozessoren.
Zudem meldete Morgan Stanley zuletzt die Bestätigung eines Kursziels von 300 US-Dollar für die Aktie. Risiken sehen Marktbeobachter vor allem darin, ob die hohen Investitionen der Hyperscaler in Rechenzentren die erwarteten Erträge erwirtschaften. Die feste Einbindung in staatliche Forschungsprojekte sichert Nvidia derweil eine breite technologische Basis jenseits rein kommerzieller Cloud-Anwendungen.
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