213,80 Euro stehen bei Nvidia auf der Börsenuhr. Die Aktie markiert damit ein neues Allzeithoch und setzt ihren Lauf nach oben fort. Für Anleger ist die Ausgangslage damit ungewöhnlich. Wer die Aktie zuvor zu einem niedrigeren Kurs gekauft hat, liegt auf Basis der Kursentwicklung nicht im Minus. Die Analysten trauen dem Titel trotzdem noch weitere Gewinne zu. Ihre durchschnittlichen Ziele liegen inzwischen bei rund 320 US-Dollar.

Die neue Rekordnotierung trifft auf eine Entwicklung, die vor allem eines zeigt. Der Ausbau der künstlichen Intelligenz verschlingt inzwischen Summen, bei denen selbst große Technologiekonzerne nach neuen Finanzierungsmodellen suchen. Amazon prüft Medienberichten zufolge eine Konstruktion über rund 8 Milliarden US-Dollar für Nvidia-Chips. Die Hardware könnte dabei zunächst an eine Zweckgesellschaft externer Investoren übertragen und anschließend von Amazon zurückgemietet werden.
Für Nvidia wäre dabei entscheidend, dass die Chips verkauft und eingesetzt werden. Wer die Hardware finanziert, ist für den Absatz zunächst zweitrangig. Das mögliche Amazon-Modell zeigt allerdings, welche Größenordnung der Ausbau von Rechenzentren inzwischen erreicht hat. Die Finanzierung der benötigten Prozessoren wird selbst für einen Konzern wie Amazon zu einem Thema.

Spielraum ist groß

Nvidia selbst verfügt über erheblichen finanziellen Spielraum. Der Konzern hat die Ermächtigung für Aktienrückkäufe zuletzt um 150 Milliarden US-Dollar erhöht. Das verbleibende Volumen des Programms beträgt damit 235 Milliarden US-Dollar. Die zusätzlichen Mittel können bis zum Geschäftsjahr 2028 eingesetzt werden.

Für die weitere Expansion der KI-Infrastruktur reicht Kapital allein allerdings nicht aus. Nvidia hat deshalb am 16. September gemeinsam mit Google und Emerald AI die AI Energy Management Alliance gegründet. Ziel ist es, Rechenzentren so zu steuern, dass sie ihren Stromverbrauch bei Engpässen im Netz flexibel reduzieren können.

Damit rückt eine zweite Grenze des KI-Ausbaus in den Mittelpunkt. Die Betreiber benötigen nicht nur immer mehr Prozessoren und das dafür erforderliche Kapital, sondern auch ausreichend Energie für die Rechenzentren. Nvidia arbeitet damit an einem Umfeld, in dem die eigene Hardware weiter nachgefragt werden kann, während zugleich die Voraussetzungen für deren Betrieb erweitert werden. Der aktuelle Kurs von 213,80 Euro trifft somit auf eine neue Analystenerwartung von rund 320 US-Dollar, ohne dass sich daraus wegen der unterschiedlichen Währungen ein seriöser prozentualer Abstand ableiten lässt. Entscheidend bleibt zunächst, ob die Rekordbewertung durch die weiter steigenden Investitionen in KI-Infrastruktur unterlegt wird.