Starke Zahlen, schwache Kurse. Bei Nvidia klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit auseinander. Institutionelle Anleger trennen sich im großen Stil von US-Technologiewerten. Der Grund dafür liegt nicht im Silicon Valley, sondern in der Raumfahrt.

Platz machen für Elon Musk

Hedgefonds schichten massiv Kapital um. Sie verkaufen Aktien der großen Tech-Konzerne, um Liquidität für das anstehende Börsendebüt von SpaceX zu schaffen. Der Raketenbauer peilt eine gigantische Bewertung von 1,77 Billionen US-Dollar an. Damit würde das Unternehmen sofort zum siebtgrößten börsennotierten US-Konzern aufsteigen.

Das hinterlässt Spuren am Markt. Der Roundhill Magnificent Seven ETF verlor seit Anfang Juni rund 2,4 Prozent an Wert. Auch Nvidia geriet in diesen Abwärtssog. Dabei ignorieren Anleger vorerst den enormen Nettoverlust von SpaceX. Dieser lag im Jahr 2025 bei fast fünf Milliarden Dollar.

Operativ auf Rekordkurs

Abseits der Kapitalrotation glänzt der KI-Chiphersteller weiterhin. Nvidia meldete für das erste Fiskalquartal 2027 einen Umsatz von 81,6 Milliarden Dollar. Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur treibt das Geschäft an. Das Management rechnet branchenweit mit Investitionen der Hyperscaler von einer Billion Dollar im kommenden Jahr.

Analysten bleiben entsprechend optimistisch. DA Davidson bestätigte die Kaufempfehlung und ruft ein Kursziel von 300 Dollar auf. Die Experten nahmen die Aktie in ihre Best-of-Breed-Liste auf. Nvidia erfüllt zehn von zwölf strengen Qualitätskriterien der Bank.

Auch Hedgefonds-Manager Dan Loeb sieht weiteres Potenzial. Obwohl sich der Börsenwert der Marke von fünf Billionen Dollar nähert, hält er die Aktie für unterbewertet. Die Sorge vor einem abflachenden Wachstum teilt er nicht.

Wichtige Marke im Fokus

Technisch steht das Papier an einem Scheideweg. Mit einem Freitagsschlusskurs von 177,28 Euro notiert die Aktie exakt auf der 50-Tage-Linie. Dieser gleitende Durchschnitt diente in der Vergangenheit oft als Wendepunkt. Auf Wochensicht steht ein Minus von gut zwei Prozent auf der Anzeigetafel.

Neue Impulse könnte die Hauptversammlung am 24. Juni liefern. Aktionäre stimmen virtuell über die Vorstandsvergütung und zehn Direktorenposten ab. Hinzu kommen Anträge zu Treibhausgasemissionen und Diversitätsrichtlinien.

Die grundlegende Dynamik im Sektor bleibt intakt. Auf einer Technologiekonferenz der Bank of America bestätigten 37 Halbleiter-Manager kürzlich ein klares Bild. Das Angebot wächst zwar schnell, kann die gewaltige Nachfrage aber weiterhin nicht decken. Hält die Unterstützung an der 50-Tage-Linie, rückt das Allzeithoch von 202,50 Euro wieder ins Visier.