Die Nvidia-Aktie gab am Donnerstag um rund 0,9 % auf gut 196 Euro nach. Trotz des Tagesverlusts bleibt das Allzeithoch von rund 202 Euro in unmittelbarer Nähe. Bis zur Bestmarke fehlen damit nur etwa 3 %. Das hohe Kursniveau hält sich seit den am 26. August veröffentlichten Geschäftszahlen, die dem Papier einen kräftigen Schub gegeben hatten. Analysten sehen für die in den USA gehandelte Aktie weiterhin Kursziele von mehr als 300 Dollar.

Die Grundlage dafür liefern vor allem die Wachstumszahlen. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 setzte Nvidia 96,2 Milliarden Dollar um. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg von 106 %. Noch stärker wuchs das Data-Center-Geschäft: Hier legten die Erlöse um 117 % auf 89,0 Milliarden Dollar zu. Für das dritte Quartal stellt Nvidia bereits 108,0 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht. Die erwartete Bruttomarge liegt bei 74,0 %. In dieser Prognose sind ausdrücklich keine Data-Center-Umsätze aus China berücksichtigt. Damit hängt zusätzliches Geschäft in diesem Markt von den internationalen Absatzbedingungen und den geltenden Beschränkungen ab.

Ein Netzwerk rund um Nvidia

Nvidias Aktivitäten reichen inzwischen über den Verkauf von Chips und Rechenzentrumsystemen hinaus. Der Konzern baut Beteiligungen und Finanzierungen innerhalb der KI-Branche aus. Für eine mögliche Beteiligung an Anthropic werden bis zu 10 Milliarden Dollar genannt. Ein entsprechender Deal ist bislang nicht bestätigt. Bereits im November 2025 hatte Nvidia jedoch eine Investitionszusage von bis zu 10 Milliarden Dollar an Anthropic in Aussicht gestellt.

Auch beim geplanten Börsengang von SB Energy tritt Nvidia als Kapitalgeber auf. Der Konzern hat eine Beteiligung von 1,5 Milliarden Dollar zugesagt. OpenAI erhielt im Zusammenhang mit der Transaktion Optionsscheine im Wert von rund 5,5 Milliarden Dollar. Nvidia ist damit nicht nur Hardwarelieferant für die KI-Industrie, sondern investiert auch in Unternehmen und Infrastruktur innerhalb dieses Marktes.

Für den Halbleitermarkt werden inzwischen ebenfalls höhere Wachstumsraten veranschlagt. Bank of America erhöhte ihre Prognose für das jährliche Wachstum der US-Halbleiterbranche bis 2030 von 14 auf 18 %. Der gesamte adressierbare Markt könnte demnach bis dahin 3,2 Billionen Dollar erreichen. Für Nvidias B200 werden GPU-Mietpreise von 5,72 Dollar je Stunde genannt. Mit dem wachsenden Markt nehmen zugleich die Investitionen potenzieller Konkurrenten zu. Samsung steckt gemeinsam mit europäischen Geldgebern mehr als 200 Millionen Euro in das niederländische KI-Chip-Startup Euclyd. Dessen neue Architektur soll eine Alternative zu den GPU-Systemen von Nvidia schaffen.

Die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz werden am Markt auch von Warnungen vor einer möglichen Übertreibung begleitet. Ray Dalio verglich den gegenwärtigen Boom mit der Technologie-Euphorie der späten 1920er Jahre. Der VIX liegt derzeit bei rund 15 Punkten und damit unter seinem langfristigen Durchschnitt von etwa 19. Zugleich beobachten Marktteilnehmer eine breitere Verteilung von Kapital, das zuvor stärker auf einzelne KI-Investments konzentriert war.

Weitere Daten zum Investitionstempo der Branche stehen mit den kommenden Quartalsberichten der großen Hyperscaler an. Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta müssen dabei neue Zahlen zu ihren geplanten Rekordinvestitionen in Rechenzentren vorlegen. Für Nvidia ist deren Investitionstempo relevant, weil das Data-Center-Geschäft mit 89,0 Milliarden Dollar den mit Abstand größten Teil des zuletzt ausgewiesenen Quartalsumsatzes ausmachte. Zuvor richtet sich der Blick auf die US-Geldpolitik. Die US-Notenbank tagt am Dienstag und Mittwoch, weitere Zinsentscheidungen folgen im Oktober und Dezember. Auf Analystenseite reichen die in Dollar formulierten Kursziele für die Nvidia-Aktie weiterhin über 300 Dollar hinaus.