Nvidia hat gestern die Übernahme von Hugging Face bekanntgegeben, für 12.930.300.000 Dollar. Es ist nicht die größte Akquisition der Firmengeschichte – diesen Rang hält weiterhin die Übernahme der Groq-Assets vom Dezember 2025 – aber sie ist strategisch die interessantere. Für mich zeigt der Deal, wohin Nvidia wirklich will: weg vom reinen Chipverkauf, hinein in die Softwareschicht, auf der KI-Entwicklung tatsächlich stattfindet.
Zahlen, die die Erwartungen übertreffen
Der Kontext für diese Wette ist eine Bilanz, die kaum besser hätte ausfallen können. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das Ende Juli endete, erlöste Nvidia 96,2 Milliarden Dollar – ein Plus von 18 Prozent zum Vorquartal und 106 Prozent zum Vorjahr.
Die Bruttomarge lag bei 75,0 Prozent, sowohl nach GAAP als auch bereinigt. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 108,0 Milliarden Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 2 Prozent, bei einer Marge von 74,0 Prozent.
Wirklich bemerkenswert finde ich aber eine andere Zahl: Finanzchefin Colette Kress hat für das Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent in Aussicht gestellt – deutlich mehr als der Analystenkonsens von etwa 44 Prozent erwartet hatte. Das ist keine kleine Differenz.
Entweder Nvidia kalkuliert hier sehr optimistisch, oder der Markt hat die Nachfrageseite noch immer unterschätzt. Ich tendiere zur zweiten Lesart, solange die Auslastung der neuen Vera-Rubin-Plattform bei CoreWeave, Google Cloud, Microsoft Azure, Oracle Cloud Infrastructure und Nebius so anhält, wie es aktuell aussieht.
Der Kurs hat die Euphorie schon eingepreist
Zuletzt schloss das Papier bei 196,48 Euro, gerade einmal drei Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro vom Mai. Auf Jahressicht steht ein Plus von 23 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sind es 33 Prozent.
Der Kurs notiert damit rund 16 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Aufschlag, der zeigt: Der Markt hat die starke Guidance und den Übernahme-Appetit längst goutiert.
Das bringt mich zur eigentlichen Frage dieses Artikels: Ist bei diesen Bewertungsniveaus noch Raum für positive Überraschungen, oder ist die Story schon vollständig im Kurs? Citigroup beantwortete diese Frage in der vergangenen Woche mit einem klaren Ja zur ersten Variante – das Analysehaus bestätigte am Donnerstag vergangener Woche seine Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 300 auf 315 Dollar an.
Hugging Face als Puzzleteil, nicht als Befreiungsschlag
Was mich am Hugging-Face-Deal überzeugt, ist die Logik dahinter. Nvidia hat mit Groq bereits im vergangenen Dezember an der Recheninfrastruktur nachgelegt, jetzt kommt mit Hugging Face die Entwicklerplattform hinzu, auf der ein Großteil der offenen KI-Modelle gehostet und geteilt wird.
Zusammen mit der vertieften Kooperation mit MediaTek für Automotive- und Edge-KI-Anwendungen entsteht ein Bild eines Konzerns, der sein Ökosystem an mehreren Fronten gleichzeitig absichert – Hardware, Cloud-Infrastruktur und nun auch die Software-Community.
Die angekündigte Dividende von 0,25 Dollar je Aktie, zahlbar am 1. Oktober an Aktionäre, die am 10. September im Register stehen, ändert an dieser Wachstumserzählung wenig – sie ist eher ein Signal finanzieller Stabilität als ein Kurstreiber.
Unterm Strich sehe ich in der Kombination aus Rekordquartal, aggressiver Wachstumsprognose und der Hugging-Face-Übernahme mehr Substanz als Übertreibung. Die Bewertung ist ambitioniert, keine Frage – eine Volatilität von 45 Prozent auf Jahresbasis erinnert daran, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Doch solange Nvidia liefert, was Kress verspricht, dürfte der Markt bereit sein, dafür zu zahlen.
Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 4. September liefert die Antwort:
Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 4. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

