Nvidia bindet die deutsche Industrie enger an die eigene Technologie. Zum Auftakt des Gipfels „Invest in Germany“ in Berlin vereinbarten Kanzler Friedrich Merz und Nvidia-Chef Jensen Huang eine strategische Partnerschaft für Künstliche Intelligenz. Während die Bundesregierung den technologischen Anschluss sichern will, baut der US-Konzern seine Vormachtstellung im industriellen Sektor aus.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat dazu eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Der Bund plant Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe, die vor allem in Rechenzeit fließen sollen. Vorgesehen ist unter anderem die Nutzung einer industriellen Cloud der Telekom in München, die mit rund 10.000 Nvidia-Chips der aktuellen Blackwell-Generation bestückt ist. Rund ein Dutzend Unternehmen will sich beteiligen, darunter Siemens, Audi und Mercedes-Benz.

Kundenbindung statt schneller Erlöse

Für Nvidias Quartalsbilanz ist die staatliche Fördersumme kaum spürbar. Der strategische Hebel liegt anderswo. Industrieunternehmen, die ihre Steuerungssoftware und Fabrikroboter einmal mit Nvidias Entwicklerwerkzeugen trainieren, wechseln das System später nur unter hohen Kosten.

Der Konzern sichert sich damit die Hardware-Aufträge der Zukunft. Zwar wuchs das Rechenzentrumsgeschäft von Nvidia zuletzt mehr als viermal so schnell, aber der Bereich Edge Computing legte im zweiten Geschäftsquartal bis Ende Juli ebenfalls um 27 Prozent auf 7,20 Milliarden Dollar zu. In diesem Segment bündelt das Unternehmen Anwendungen für autonome Fahrzeuge und Fabriksteuerungen.

Teil einer europäischen Offensive

Parallel zu den Regierungsgesprächen baut Nvidia sein Netzwerk bei jungen Technologieunternehmen aus. In Deutschland kündigte Huang direkte Beteiligungen an den Start-ups Agile Robots, Avelios Medical, Mirelo und Reflex Aerospace an.

Die Vorstöße in Berlin fügen sich in eine größere Initiative ein. Sie gehören zu Nvidias Zusage, fast zehn Milliarden Dollar in das europäische Technologie-Ökosystem zu investieren. Zuvor hatte der Konzern bereits Stationen in Paris, London und Stockholm absolviert.

An der Börse ging die Nvidia-Aktie am Montag mit einem Plus von 1,38 Prozent bei 217,09 Dollar aus dem Handel. Konkrete Einblicke in die technologischen Pläne verspricht die Keynote von Jensen Huang auf der Entwicklerkonferenz GTC in Berlin am 21. Oktober. Seine nächsten Quartalszahlen legt der Konzern voraussichtlich am 18. November vor.