Am ersten Handelstag der neuen Aktien fiel der Kurs unter den Ausgabepreis. Mehr als 200 Investoren hatten die Kapitalerhöhung zuvor gezeichnet.

Kapitalerhöhung: 484 Millionen für OHB, größeres Gesamtvolumen durch KKR-Verkauf

Nach offiziellen Angaben flossen dem Bremer Raumfahrt- und Rüstungskonzern aus der Ausgabe neuer Aktien brutto rund 484 Millionen Euro zu. Das gesamte Platzierungsvolumen fiel mit rund 789 Millionen Euro deutlich höher aus. Der Grund: Parallel zur Kapitalerhöhung verkaufte der Anteilseigner KKR Bestandsaktien im Wert von etwa 418 Millionen Euro mit. Der Hauptaktionär selbst verzichtete auf sein Bezugsrecht, sodass rund 94 Prozent der neuen Aktien im Rahmen einer gezielten Privatplatzierung bei institutionellen Investoren landeten.

Das frische Kapital soll laut Unternehmensangaben in den Ausbau von Fertigungsanlagen, mögliche Übernahmen sowie in das Raketengeschäft fließen. OHB weist einen Auftragsbestand von 3,19 Milliarden Euro an noch nicht abgearbeiteten Bestellungen aus. Der Umsatz des Unternehmens wuchs zuletzt um 21 Prozent.

Kursreaktion: Abkühlung nach steilem Anstieg

Der Kursrutsch am ersten Handelstag der neuen Aktien reiht sich in eine Konsolidierung ein, die schon seit Wochen anhält. Zum Schlusskurs vom Donnerstag notierte die Aktie bei 239,00 Euro, binnen 30 Tagen hat sie damit 39,42 Prozent verloren. Der Relative-Stärke-Index von 31,9 signalisiert eine überverkaufte Marktlage, nachdem der Titel zuvor über Monate hinweg kräftig zugelegt hatte.

Die Kapitalerhöhung verwässert naturgemäß die bestehenden Anteile und erklärt einen Teil des Kursrückgangs. Zugleich zeigt die Größenordnung der Privatplatzierung, dass institutionelle Investoren trotz des schwächeren Kursverlaufs weiter bereit sind, sich in großem Stil an OHB zu beteiligen.

Raumfahrtsektor insgesamt unter Druck

Der Rücksetzer bei OHB fällt in eine Phase, in der Anleger den gesamten Raumfahrtsektor kritischer beäugen. Rocket Lab verlor an der Börse zuletzt rund 56 Prozent nach einer vorangegangenen Rallye und testete wichtige Unterstützungszonen. Auch SpaceX rutschte unter den Ausgabepreis seines Börsengangs, nachdem Leerverkäufer ihre Wetten gegen den Elon-Musk-Konzern verstärkt hatten. Ein gescheiterter Testflug der Rakete Starship belastete die Stimmung zusätzlich.

Die Häufung solcher Bewegungen nährt Zweifel, ob die Bewertungen der Branche den zuvor eingepreisten Wachstumsfantasien tatsächlich standhalten. Für OHB bedeutet das frische Kapital dennoch zunächst finanzielle Spielräume für Investitionen in Fertigung, Zukäufe und das Raketensegment — während der Markt die Bewertung des Bremer Konzerns nach der Verwässerung neu einordnet.