OHB und Rheinmetall machen Ernst. Auf der Luft- und Raumfahrtmesse ILA haben die beiden Rüstungskonzerne offiziell ein neues Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Das Ziel: ein deutsches Starlink für die Bundeswehr. Anleger reagieren euphorisch. Die OHB-Aktie springt heute um 8,70 Prozent auf 400,00 Euro.

Milliardenprojekt im Erdorbit

Das Vorhaben SATCOMBw gilt als größtes Weltraumprojekt der Bundesrepublik. Die Bundeswehr plant eine abhörsichere Kommunikationsarchitektur im niedrigen Erdorbit. Dafür braucht die Truppe bis zu 200 Satelliten. Das Weltraumkommando schätzt die Kosten auf gut zehn Milliarden Euro.

Die neu gegründete Bremer „OHB Rheinmetall Space Networks GmbH“ will dieses Mammutprojekt komplett steuern. Die Aufgabenteilung: klar definiert. OHB baut als Spezialist die Satelliten. Rheinmetall liefert parallel dazu die Technik für den Boden und rüstet die Truppe aus.

Warten auf den Zuschlag

Einen finalen Vertrag gibt es allerdings noch nicht. Auch Airbus gehört zum Konsortium. OHB und Airbus haben bereits eine Zusammenarbeit im Weltraumsegment vereinbart. Die genauen Details dieser Kooperation sind aber noch offen.

Insider rechnen mit einem langen Vergabeprozess. Die endgültige Entscheidung über den Milliardenauftrag fällt womöglich erst Anfang 2027. Bis dahin positioniert sich das neue Joint Venture als europäische Alternative zu US-Systemen.

Rückenwind aus dem operativen Geschäft

OHB geht mit viel Schwung in dieses Rennen. Der Auftragsbestand erreichte Ende März ein Rekordhoch von 3,35 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis sprang im ersten Quartal um 63 Prozent nach oben.

Die Börse honoriert diese Entwicklung. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert der OHB-Aktie mit einem Plus von 229 Prozent mehr als verdreifacht. Damit zählt das Papier zu den stärksten deutschen Werten des laufenden Jahres.

Die operative Basis für den Großauftrag ist nun gelegt. Das Bundeskartellamt hat die Gründung genehmigt, der Eintrag ins Bremer Handelsregister ist erfolgt. Nun muss das Duo aus OHB und Rheinmetall die Bundeswehr endgültig überzeugen. Der Zuschlag Anfang 2027 würde die Bremer Raumfahrt-Schmiede in eine völlig neue Dimension katapultieren.