Der geplante Börsengang von SpaceX wirft einen gewaltigen Schatten auf den internationalen Kapitalmarkt. Das spürt nun der Bremer Raumfahrtkonzern OHB: Um nicht im Trubel des 1,75-Billionen-Dollar-IPOs aus den USA unterzugehen, stoppt das Management überraschend eine geplante Aktienplatzierung. Anleger reagieren prompt auf die Verzögerung.
Die Entscheidung schickte die OHB-Aktie am Freitag auf Talfahrt. Das Papier verlor zwischenzeitlich bis zu neun Prozent und rutschte auf rund 589 Euro ab. Ein scharfer Kontrast zum Vortag, als der Kurs noch zweistellig zugelegt hatte. Marktbeobachter werten den Rückzieher dennoch als umsichtig. Der Grund liegt in den USA: Am 12. Juni 2026 plant SpaceX sein Debüt an der Nasdaq. OHB will das Risiko einer Platzierung mit hohen Abschlägen in einem überfüllten Markt schlichtweg nicht eingehen.
Sieben Banken im Wartestand
Für die Transaktion im Volumen von über einer Milliarde Euro hatte OHB das Bankenkonsortium erst kürzlich auf sieben Institute aufgestockt. Neben der Deutschen Bank, Goldman Sachs und JPMorgan kamen Berenberg und die Commerzbank hinzu. Die Vorbereitungen ruhen nun. Verkäufer der Papiere ist der Finanzinvestor KKR, der aktuell 29 Prozent an OHB hält und einen Großteil davon abstoßen will.
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An der Machtstruktur ändert der geplante Verkauf nichts. Die Gründerfamilie Fuchs behält mit 65 Prozent der Stimmrechte die klare Kontrolle. Ziel der Platzierung ist ein höherer Streubesitz von rund 20 Prozent sowie frisches Kapital für die Vorfinanzierung von Konstellationsprojekten. Einen neuen Termin gibt es noch nicht, das Unternehmen peilt aber weiterhin einen Abschluss im ersten Halbjahr an.
Volle Auftragsbücher als Puffer
Operativ liefert der Konzern derweil handfeste Argumente für geduldige Investoren. Im ersten Quartal stieg die Gesamtleistung um 15 Prozent auf knapp 279 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) legte überproportional auf 27,3 Millionen Euro zu.
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Den eigentlichen Rückhalt bildet jedoch der Auftragsbestand. Dieser kletterte zuletzt auf einen historischen Höchstwert von 3,35 Milliarden Euro. Den Löwenanteil steuert das Segment Space Systems bei. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem zwei Großprojekte:
- Ein ESA-Auftrag für die EPS-Sterna-Mikrosatellitenkonstellation über 248 Millionen Euro.
- Der Zuschlag für die RAMSES-Mission zur Erforschung des Asteroiden Apophis.
Mit diesem Polster kann OHB die Turbulenzen um den US-Konkurrenten aussitzen. Bis das Kapitalmarktfenster wieder öffnet, richtet sich der Blick auf die anstehenden Pflichttermine: Am 24. Juni 2026 lädt der Konzern zur Hauptversammlung, am 6. August folgen die Zahlen für das zweite Quartal.
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