Eine geglückte Kapitalerhöhung, ein gescheiterter Stabilisierungsversuch: Bei OHB passt beides nicht zusammen. Die Aktie des Bremer Raumfahrtkonzerns schließt am Freitag bei 241,00 Euro, fast unverändert zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 10,74 Prozent, auf Monatssicht sogar von 38,91 Prozent.

Kapitalerhöhung erzeugt Angebotsüberhang

Ende Juni beschließt der Vorstand eine Kapitalerhöhung. Er nutzt dafür teilweise das Genehmigte Kapital 2025. Die Gesellschaft gibt bis zu 1,7 Millionen neue Aktien in zwei Tranchen aus, gegen Bareinlagen, mit Gewinnberechtigung ab 1. Januar 2026.

Bemerkenswert: Die Familie Fuchs und Orchid Lux HoldCo verzichten auf ihre Bezugsrechte. Orchid Lux wird von Unternehmen beraten, die mit KKR & Co Inc. verbunden sind. Der Verzicht zweier Großaktionäre auf frische Anteile fällt in einem angespannten Marktumfeld auf.

Aus beiden Tranchen fließen OHB brutto rund 484 Millionen Euro zu. Der Löwenanteil von 481,6 Millionen Euro stammt aus der vollständig platzierten ersten Tranche. Nach Abschluss beider Tranchen steigt das Grundkapital der Gesellschaft auf 20.827.928,00 Euro.

Der frische Kapitalzufluss stärkt die Bilanz. Am Markt sorgt er trotzdem für Druck: Enttäuschte institutionelle Investoren trennen sich offenbar von Anteilen, die durch die Kapitalmaßnahme ins System gelangt sind. Schon im Juni war ein erster Stabilisierungsversuch knapp unter der 400-Euro-Marke aus ähnlichen Gründen gescheitert.

Wachstumsstory intakt, Bewertung korrigiert

An den operativen Aussichten von OHB ändert sich nichts. Die Wachstumsstory bleibt nach Einschätzung von Marktbeobachtern glänzend. Was sich ändert, ist die Bewertung: Zeitweise erreichte das Konsens-KGV für 2026 einen dreistelligen Wert.

Diese Prämie baut sich nun ab. Wo die Aktie einen neuen Boden findet, ist derzeit offen. Vorsicht sei angebracht, nachdem bereits der zweite Stabilisierungsversuch misslungen ist.

Chart zeigt überverkaufte Lage

Der aktuelle Kurs liegt 64,97 Prozent unter dem am 21. Mai markierten Jahreshoch von 688,00 Euro. Der RSI von 32,2 signalisiert eine überverkaufte Marktlage. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 87,49 Prozent zeigt, wie nervös der Handel mit dem Titel bleibt.

Der 50-Tage-Durchschnitt notiert mit 381,56 Euro deutlich über dem aktuellen Kurs. Näher liegt der 200-Tage-Durchschnitt bei 237,56 Euro — die Aktie bewegt sich mit nur 1,45 Prozent Abstand fast direkt an dieser langfristigen Linie. Genau dort dürfte sich zeigen, ob die Korrektur einen Boden findet oder sich fortsetzt.

Die Dimension der vorangegangenen Rally bleibt trotz allem sichtbar. Seit Jahresbeginn steht für OHB immer noch ein Plus von 105,98 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 240,40 Prozent. Der aktuelle Rücksetzer relativiert diese Gewinne, löscht sie aber nicht aus.