Rekordauftragsbestand, neue Führungskraft, Hauptversammlung ohne Gegenstimmen — und trotzdem bricht die OHB-Aktie am Dienstag um fast zehn Prozent ein. Der Grund liegt weniger in den Nachrichten selbst als in dem, was noch aussteht.
KKR will raus — und der Markt wartet
KKR hält knapp 29 Prozent an OHB und will rund 20 Prozent davon platzieren. Die Transaktion soll mehr als eine Milliarde Euro einbringen. Abschluss soll noch vor dem 30. Juni 2026 sein. Solange dieser Block nicht platziert ist, hängt ein erhebliches Angebotspotenzial über dem Kurs.
Im Erfolgsfall steigt der Free Float auf rund 26 Prozent — derzeit ist die Aktie extrem eng. Das erklärt die Nervosität. Der Kurs fiel auf 378,00 Euro, ein Minus von 9,57 Prozent gegenüber dem Vortag. Vom Allzeithoch bei 688,00 Euro, das erst im Mai 2026 markiert wurde, ist die Aktie nun rund 45 Prozent entfernt.
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Neuer COO für die Serienproduktion
Operativ liefert OHB. Der Auftragsbestand erreichte zum Ende des ersten Quartals 2026 mit 3,35 Milliarden Euro ein neues Rekordhoch — ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Um dieses Volumen abzuarbeiten, braucht das Unternehmen industrielle Skalierung.
Ab dem 1. Juli 2026 übernimmt Dr. Luis Alejandro Orellano als erster COO in der Unternehmensgeschichte. Der promovierte Luft- und Raumfahrtingenieur kommt von Rohde & Schwarz, wo er die Division Technology Systems leitete. Davor war er im Produktionsmanagement bei Thyssen-Krupp Marine Systems, Daimler-Chrysler und Bombardier tätig. Seine Aufgabe: den Hochlauf der Serienproduktion für erwartete Rüstungsaufträge steuern.
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HV billigt Wandelanleihen bis 1,2 Milliarden Euro
Die Hauptversammlung vom 8. Juni 2026 verlief reibungslos. Alle Beschlüsse wurden mit großer Mehrheit angenommen — kein Wunder bei den klaren Mehrheitsverhältnissen. Die Gründerfamilie Fuchs hält rund zwei Drittel der Aktien, KKR knapp 29 Prozent.
Neben der Dividendenausschüttung billigten die Aktionäre zwei neue Ermächtigungen. Das Management darf bis 2031 Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen sowie Genussrechte im Gesamtnennbetrag von bis zu 1,2 Milliarden Euro begeben. Das schafft Spielraum für künftige Finanzierungen — erhöht aber auch das Verwässerungspotenzial.
ILA Berlin als nächster Test
Bereits am 10. Juni beginnt die ILA Berlin. OHB will dort neue Missionsverträge präsentieren. Konkrete Vertragsankündigungen auf der Messe könnten dem Kurs kurzfristig Auftrieb geben. Trotz des jüngsten Rückgangs steht die Aktie seit Jahresbeginn noch immer mit rund 211 Prozent im Plus — der Absturz vom Hoch ist also eine Korrektur innerhalb eines außergewöhnlichen Laufs, kein fundamentaler Bruch.
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