Hauptversammlung, Industriemesse, laufende Satellitenmontage und ein beantragtes Raketenstartfenster — OHB SE packt alles in eine einzige Woche. Nach einem Kursrutsch von rund neun Prozent in den vergangenen sieben Tagen braucht das Bremer Raumfahrtunternehmen jetzt operative Belege, keine weiteren Versprechen.
Kapital und Sichtbarkeit gleichzeitig
Den Auftakt macht heute die Hauptversammlung. Auf der Tagesordnung steht ein milliardenschwerer Finanzierungsrahmen — ein Signal, dass OHB die Wachstumsambitionen strukturell absichern will. Kaum zwei Tage später öffnet die ILA Berlin, die wichtigste europäische Luft- und Raumfahrtmesse. OHB will dort neue Missionsverträge präsentieren, neben Airbus, ArianeGroup und DLR.
Raumfahrtunternehmen nutzen die ILA traditionell, um politische Sichtbarkeit, Industriepartnerschaften und konkrete Aufträge zu bündeln. Für OHB kommt die Bühne zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt nach der Rally handfeste operative Fortschritte sehen will.
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RAMSES und RFA: Zwei Meilensteine im Blick
Parallel läuft das operative Geschäft auf Hochtouren. Seit dem 4. Juni montiert OHB Italia in Mailand die RAMSES-Sonde — ein ESA-JAXA-Projekt mit einem Auftragsvolumen von rund 150 Millionen Euro. Die Sonde soll den Asteroiden Apophis vor seinem Erdvorbeiflug im April 2029 begleiten und untersuchen, wie die Erdgravitation dessen Struktur verändert. Der Start ist für Frühjahr 2028 geplant.
Hinzu kommt die Raketentochter Rocket Factory Augsburg. Ab dem 1. Juli 2026 ist das Startfenster für den Erstflug der RFA ONE beantragt. RFA betont ausdrücklich, dass es sich nicht um ein festes Datum handelt — Erstflüge sind technisch anfällig für Verzögerungen.
Rekordauftragsbestand, aber enger Markt
Die fundamentale Basis ist solide. Der Auftragsbestand erreichte zum 31. März 2026 mit 3,35 Milliarden Euro ein Rekordhoch, 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im ersten Quartal wuchs die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro, das bereinigte EBIT legte um 63 Prozent auf 16,8 Millionen Euro zu.
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Kursbestimmend bleibt allerdings eine strukturelle Eigenheit: Von 19,2 Millionen Aktien liegen nur rund 5,7 Prozent frei im Markt. Kleinere Orders reichen aus, um den Kurs erheblich zu bewegen. KKR, mit etwa 29 Prozent beteiligt, will einen Teil seiner Anteile noch vor dem 30. Juni platzieren — ein Volumen von mehr als einer Milliarde Euro. Gelingt die Transaktion, steigt der Free Float auf rund 26 Prozent. Die Gründerfamilie Fuchs behält mit 65 Prozent der Stimmrechte die Kontrolle.
Die Aktie notiert aktuell bei 372,50 Euro, seit Jahresbeginn trotz des jüngsten Rücksetzers noch immer rund 207 Prozent im Plus. Vom Allzeithoch bei 688,00 Euro aus dem Mai trennen den Kurs fast 46 Prozent — ein Abstand, der zeigt, wie viel Erwartung bereits eingepreist war.
Die Woche liefert gleich drei Gelegenheiten, den Abstand zwischen Auftragsrekord und belastbarem Wachstum zu verkleinern: auf der HV, auf der ILA und im Montagezelt in Mailand.
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