Vom Allzeithoch zur Konsolidierung in wenigen Wochen. Die OHB SE Aktie notiert am Mittwoch bei 381,00 Euro — rund 44 Prozent unter dem Mai-Hoch von 688,00 Euro. Zwei Ereignisse belasten den Kurs: eine geplante Großplatzierung durch KKR und weitreichende Beschlüsse der Hauptversammlung vom Montag.

KKR will 20 Prozent der Aktien verkaufen

Der Finanzinvestor KKR hält derzeit rund 29 Prozent an OHB. Berichten zufolge plant er, etwa 20 Prozent aller Aktien noch vor dem 30. Juni am Markt zu platzieren. Das Volumen läge bei über einer Milliarde Euro.

Das trifft auf einen extrem engen Markt. Der aktuelle Streubesitz beträgt lediglich 5,7 Prozent — was die annualisierte Volatilität von rund 146 Prozent erklärt. Nach der Platzierung würde der Free Float auf etwa 26 Prozent steigen. Langfristig begrüßen Analysten die höhere Liquidität. Kurzfristig erzeugt das drohende Überangebot Verkaufsdruck.

Hauptversammlung schafft Milliarden-Spielraum

Auf der virtuellen Hauptversammlung am 8. Juni stimmten die Aktionäre einem breiten Finanzrahmen zu. Das Management darf bis 2031 Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen sowie Genussrechte im Gesamtvolumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro ausgeben. Hinzu kommt ein neues bedingtes Kapital im Umfang von rund 20 Prozent des Grundkapitals.

Der Hintergrund: OHB sitzt auf einem Rekordauftragsbestand von 3,35 Milliarden Euro — Stand Ende des ersten Quartals 2026. Der Kapitalbedarf ist entsprechend hoch. Kritiker verweisen auf das Verwässerungsrisiko, falls der Rahmen voll ausgeschöpft wird.

Neuer COO, neue Fabrik, neue Kooperationen

OHB baut parallel das operative Fundament aus. Ab dem 1. Juli übernimmt Dr. Luis Alejandro Orellano als erster COO in der Unternehmensgeschichte das operative Geschäft. Er soll die Fertigung vom Manufaktur-Modell zur industriellen Serienfertigung umbauen. Orellano war zuvor bei Rohde & Schwarz und ThyssenKrupp Marine Systems tätig.

Für die Produktion übernimmt OHB das frühere TechniSat-Werk in Schöneck. Es soll künftig Satellitenkonstellationen wie „Saxon-1″ fertigen. Auf der ILA Berlin, die heute startete, präsentiert OHB außerdem das Joint Venture „KIRK“ mit dem KI-Unternehmen Helsing — mit Fokus auf taktische Aufklärung.

Der RSI liegt bei 46,3, kein überverkauftes Niveau. Die Aktie notiert rund fünf Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 362,63 Euro. Sobald die KKR-Platzierung abgeschlossen ist, entfällt der unmittelbare Überhangs-Druck — das dürfte die entscheidende Weichenstellung für den weiteren Kursverlauf sein.