OHB SE hat mit frischem Kapital aus einer Privatplatzierung die Weichen für die nächste Wachstumsphase gestellt. Die Gesellschaft führte eine Kapitalerhöhung über 484 Millionen Euro durch, wie das Unternehmen mitteilte. Die Nettoerlöse sollen in den Ausbau von Fertigungskapazitäten, mögliche Übernahmen sowie Investitionen in Trägerraketen und Anlagen fließen.

Durch die Transaktion stieg der Streubesitz der Gesellschaft auf rund 18 Prozent. Die Familie Fuchs bleibt mit über 60 Prozent der Anteile weiterhin Mehrheitsaktionärin von OHB.

Die Kapitalmaßnahme fällt in eine Phase, in der das Unternehmen operativ deutlich zulegt und zugleich seine Präsenz an den Kapitalmärkten ausbaut – zuletzt hatte die außerplanmäßige Aufnahme in den SDAX am vergangenen Donnerstag für zusätzliche Aufmerksamkeit gesorgt, seither gab der Kurs um 1,0 Prozent nach.

Operatives Wachstum trifft auf steigende Kosten

Die Zahlen zum zweiten Quartal untermauern den Expansionskurs. Der Umsatz wuchs im zweiten Quartal um sieben Prozent auf gut 329 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA stieg mit gut 33 Millionen Euro um mehr als ein Viertel gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Für die ersten sechs Monate 2026 erreichte die OHB-Gruppe eine Gesamtleistung von 627,9 Millionen Euro, ein Plus von elf Prozent gegenüber den 563,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBITDA kletterte im Halbjahr um 31 Prozent von 45,9 Millionen auf 60,4 Millionen Euro.

Unter dem Strich zeigt sich allerdings ein anderes Bild. Wegen deutlich gestiegener Kosten sowie Verlusten aus Unternehmensbeteiligungen verzeichnete OHB im zweiten Quartal ein Nettoergebnis von minus gut 5 Millionen Euro – ein Jahr zuvor hatte hier noch ein Gewinn von 7,5 Millionen Euro gestanden. Die Diskrepanz zwischen robustem operativem Wachstum und negativem Nettoergebnis dürfte Anleger in den kommenden Quartalen weiter beschäftigen.

Auftragsbestand wächst, Guidance bleibt bestätigt

Der Auftragsbestand der Gruppe erreichte nach sechs Monaten 3.304 Millionen Euro, nach 3.067 Millionen Euro im Vorjahr. Das Unternehmen erwartet den Höhepunkt des Auftragseingangs im zweiten Halbjahr 2026. OHB bestätigte zudem die Guidance für 2026 mit einer erwarteten bereinigten EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11,0 Prozent.

Mittelfristig peilt die Gruppe eine Gesamtleistung von über 4,0 Milliarden Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 13 Prozent an. Diese Ziele setzen voraus, dass sich die aktuelle Wachstumsdynamik fortsetzt, während gleichzeitig die Kostenseite unter Kontrolle bleibt – ein Balanceakt, den das zweite Quartal mit dem Auseinanderlaufen von operativem Ergebnis und Nettoergebnis bereits andeutet.

Der Auftrag der italienischen Raumfahrtagentur ASI für die Erdbeobachtungsmission PRISMA Second Generation, den OHB Italia Ende Juli erhielt, unterstreicht die internationale Auftragslage der Gruppe. Der Satellit soll bis Ende 2031 starten. Mit der Kapitalerhöhung verschafft sich OHB nun finanziellen Spielraum, um sowohl organisch als auch über Zukäufe an diese Wachstumsdynamik anzuknüpfen.