Oracle investiert gigantische Summen in neue KI-Infrastruktur. Parallel dazu treibt der Softwarekonzern branchenspezifische Lösungen voran. An der Börse herrscht aktuell tiefe Skepsis. Ein geplatzter Großauftrag wirft unangenehme Fragen auf.

Rückschlag im Cloud-Geschäft

Oracle pumpt massiv Geld in den Ausbau von Rechenzentren. Rund 250 Milliarden US-Dollar fließen in künftige Leasingverträge für KI-Infrastruktur. Das entspricht fast einem Drittel aller aktuellen US-Tech-Investitionen in diesem Bereich.

Ein prestigeträchtiger Auftrag entgleitet dem Konzern allerdings. Ein geplanter Leasing-Deal mit Microsoft über drei Milliarden US-Dollar kam nicht zustande. Den Ausschlag gab eine fehlende FedRAMP-Zertifizierung. Diese Sicherheitsfreigabe war für den Vertrag zwingend erforderlich.

Volle Auftragsbücher

Ungeachtet dieses Rückschlags wächst der Auftragsbestand rasant. Die ausstehenden Leistungsverpflichtungen kletterten im Jahresvergleich um über 360 Prozent auf 638 Milliarden US-Dollar. Fast die Hälfte davon stammt aus einer Vereinbarung mit OpenAI. Dieser Vertrag startet im Jahr 2027.

Im Kerngeschäft baut Oracle neue Nischen aus. Das Unternehmen bringt eine KI-gestützte Plattform speziell für die Gastronomie auf den Markt. Diese Lösung bündelt Bestandsverwaltung, Personalplanung und Finanzdaten. Der weltweite Rollout in über 110 Ländern ist für die kommenden zwölf Monate angesetzt.

Bewertung und Dividende

Die Folge: Anleger reagieren auf die massiven Ausgaben mit Zurückhaltung. Die Aktie rutschte in den letzten 30 Tagen um gut 31 Prozent ab. Aktuell notiert das Papier bei 127,08 Euro.

Die Kursverluste spiegeln die wachsende Nervosität am Markt wider. Investoren fordern raschere Erträge aus den milliardenschweren Infrastruktur-Wetten. Bisher dominieren jedoch die immensen Vorabkosten das Bild.

Der Relative-Stärke-Index (RSI) steht bei 31,3 Punkten. Der Titel nähert sich damit dem überverkauften Bereich. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23,8 liegt unter dem Branchenschnitt der Softwareindustrie. Dieser notiert bei 27,7.

Aktionäre blicken nun auf die anstehende Gewinnausschüttung. Der Konzern schüttet im Quartal 0,50 US-Dollar je Aktie aus. Der nächste Ex-Dividenden-Tag fällt auf den 10. Juli 2026. Die Auszahlung erfolgt knapp zwei Wochen später. Institutionelle Anleger wie Dividend Assets Capital stockten ihre Positionen zuletzt weiter auf.