Oracle wagt einen radikalen Schritt im Cloud-Geschäft. Kunden zahlen künftig nicht mehr für Rechenleistung, sondern für messbare Geschäftserfolge. Die Börse feiert diesen Strategiewechsel. Am Montag springt die Aktie um 5,35 Prozent auf 167,70 Euro.
Neuer Preis-Standard für KI
Bisher rechneten Cloud-Anbieter stur nach verbrauchten CPU- oder GPU-Stunden ab. Oracle bricht nun mit dieser Branchenregel. Das Management führt eine erfolgsbasierte Preisgestaltung für seine KI-Dienste ein. Ein KI-Agent für Bewerbungsgespräche kostet künftig pro geprüftem Kandidaten. Ein Hotel-Upsell-Agent behält einen Prozentsatz des generierten Zusatzumsatzes. Oracle nutzt dafür seine integrierten Software-Lösungen.
Parallel dazu verbucht der Konzern am Montag einen wichtigen Vertriebserfolg. Das Centre for Addiction and Mental Health in Kanada führt Oracles komplette Cloud-Suite ein. Die größte psychiatrische Klinik des Landes versorgt jährlich über 38.000 Patienten. Das Krankenhaus integriert sämtliche klinischen und administrativen Systeme. Das Ziel: mehr Effizienz und KI-gestützte Entscheidungen im Klinikalltag.
Gewaltige Investitionen
Der aktuelle Kurssprung beendet eine schwache Handelswoche. Auf Wochensicht verzeichnet das Papier noch immer ein Minus von fast neun Prozent. Der Grund für die jüngste Volatilität liegt in den Quartalszahlen vom 10. Juni. Oracle meldete zwar einen massiven Auftragsbestand von 638 Milliarden US-Dollar. Allerdings schockte das Management die Anleger mit gewaltigen Ausgabenplänen.
Für das kommende Geschäftsjahr plant das Unternehmen Investitionen von rund 70 Milliarden Dollar. Dafür benötigt Oracle frisches Kapital in zweistelliger Milliardenhöhe. Eine geplante Aktienemission über 20 Milliarden Dollar steht bereits fest. Diese massive Infrastruktur-Offensive drückte den freien Cashflow zuletzt tief ins Minus.
Analysten bleiben optimistisch
Trotz der hohen Kosten rechnen Experten mit starkem Wachstum. Im laufenden Quartal soll der Cloud-Umsatz um bis zu 64 Prozent klettern. Die Wall Street stützt diesen Optimismus mit konkreten Kurszielen:
- Mizuho ruft 320 Dollar auf und verweist auf die neuen Rechenzentren.
- Goldman Sachs hebt das Ziel auf 239 Dollar an.
- Scotiabank erhöht die Gewinnschätzungen und rät zum Übergewichten.
Der Konsens der Analysten sieht den fairen Wert der Aktie bei rund 268 Dollar. Bis zum alten Rekordhoch fehlt dem Papier aktuell noch ein Anstieg von gut 40 Prozent. Das Management peilt für das Gesamtjahr nun einen Umsatz von 90 Milliarden Dollar an. Erreicht Oracle dieses Ziel, dürfte sich die gigantische Infrastruktur-Wette auszahlen.
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