Oracle sammelt an der Börse neuen Schwung. Am Freitag schloss die Aktie bei 127,10 Euro, ein Plus von 2,27 Prozent. Vom Rekordhoch aus dem vergangenen September trennen den Softwarekonzern trotz der jüngsten Gewinne weiterhin 56,89 Prozent. Die Erholung bleibt damit fragil, auch wenn zuletzt mehrere positive Nachrichten für Auftrieb sorgten.

Milliardenauftrag und KI-Ausbau treiben den Kurs

Am Montag hatte CACI International bekanntgegeben, als Technologiepartner für Oracle bei einem Zehnjahresvertrag mit dem US Office of Personnel Management einzusteigen. Der Auftrag zur Modernisierung der föderalen Personalverwaltung über Oracle Fusion HCM ist knapp 400 Millionen Dollar schwer. Medienberichten zufolge sprang die Oracle-Aktie am selben Tag um 9,22 Prozent, nachdem zusätzlich eine Ausweitung der Partnerschaft mit Google Cloud und weitere Regierungsaufträge bekannt wurden.

Bereits Ende Juli hatten Oracle und Google Cloud ihre Zusammenarbeit vertieft. Die Sprachmodelle Gemini 3.1 Flash-Lite und 3.5 Flash lassen sich künftig in Oracle Fusion Cloud Applications und NetSuite einbinden. Am Freitag legte Oracle mit der „August 2026 Edition“ seiner KI-Werkzeuge nach. Neu dabei sind Instrumente für das Kostenmanagement von KI-Anwendungen unter dem Namen „AI Token Economics“ sowie eine erweiterte Modellauswahl innerhalb von OCI Enterprise AI.

Stellenabbau im Zuge der KI-Umstellung

In seinem jüngsten Jahresbericht bestätigte Oracle einen deutlichen Stellenabbau. Im Geschäftsjahr 2026 schrumpfte die globale Belegschaft um rund 21.000 Mitarbeiter beziehungsweise 13 Prozent auf 141.000 Beschäftigte. Das Unternehmen begründet den Schritt mit dem Einsatz von KI-Technologien und einer operativen Restrukturierung. Für Anleger ist das ein zweischneidiges Signal: Kosteneinsparungen stützen zwar die Marge, zeigen aber zugleich den Druck, unter dem Oracle beim Umbau des Geschäfts steht.

Kritische Stimmen: Analysten, Ratingagentur und ein prominenter Shortseller

UBS senkte am Freitag das Kursziel für Oracle von 285 auf 245 Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Als Begründung nannten die Analysten die hohe Kapitalintensität des KI-Infrastrukturgeschäfts und die Abhängigkeit von OpenAI. Bereits Anfang Juli hatte S&P Global Ratings die Kreditwürdigkeit von Oracle auf BBB- herabgestuft, eine Stufe über Ramschniveau. Die Ratingagentur verwies auf eine hohe Verschuldung im Verhältnis zum EBITDA sowie auf Konzentrationsrisiken durch das Infrastrukturabkommen mit OpenAI.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt Oracle am Freitag durch die Offenlegung einer Short-Position des Investors Michael Burry, der einen Referenzkurs von 144,63 Dollar nannte. Die Meldung befeuerte die Debatte über die wachsende Verschuldung im Technologiesektor, auch wenn sie für sich genommen wenig über die aktuelle Stimmung unter institutionellen Anlegern aussagt. Dort zeigt sich ohnehin ein gemischtes Bild: Einige Adressen bauten ihre Oracle-Positionen zuletzt kräftig aus, während andere Anteile abstießen.

Blick auf die Zahlen im September

Für Mitte September hat Oracle die Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 angekündigt. Das Management hatte zuvor ein Umsatzwachstum von 27 bis 29 Prozent sowie ein Wachstum des Cloud-Umsatzes von 58 bis 64 Prozent in Aussicht gestellt. Ob Oracle diese Marken trotz steigender Investitionskosten und wachsender Schuldenlast erreicht, dürfte zur nächsten entscheidenden Kursmarke für die Aktie werden.