Oracle will zur Drehscheibe für KI-Rechenleistung werden, ganz gleich, auf welchem Chip die Modelle laufen. Auf der Hausmesse Oracle AI World in Las Vegas hat der Softwarekonzern eine Serie von Partnerschaften verkündet. Die Aktie reagierte zurückhaltend und gab im NASDAQ-Handel zeitweise leicht auf rund 130 Dollar nach.
Google-Chips bei einem Konkurrenten
Den größten Neuigkeitswert hat die Vereinbarung mit Google. Die Oracle Cloud Infrastructure (OCI) wird die erste große Cloudplattform außerhalb von Google, auf der Kunden die hauseigenen Tensor Processing Units nutzen können. Oracle liefert Strom, Kühlung und Netzwerktechnik. Verfügbar sein soll das Angebot im Kalenderjahr 2027, danach ist ein mehrjähriger Ausbau geplant.
Kunden sollen damit mehrere führende Rechenarchitekturen in einer Cloud vorfinden und je Anwendung nach Leistung, Durchsatz und Kosten wählen können. So formuliert es OCI-Präsident Mahesh Thiagarajan.
NVIDIA, Intel und Cerebras
Parallel vertieft Oracle die Zusammenarbeit mit seinem wichtigsten Chiplieferanten. NVIDIAs Vera-Rubin-Systeme und die neuen Vera-CPUs sind ab sofort allgemein auf OCI verfügbar. Beide Unternehmen wollen die Supercluster auf eine Größenordnung von mehreren Gigawatt ausbauen. Als Referenzkunde dient OpenAI, das im texanischen Abilene sein jüngstes Modell auf einem Cluster mit mehr als 100.000 Blackwell-GPUs trainiert hat.
Bei klassischen Prozessoren plant Oracle eine mehrjährige Kooperation mit Intel, inklusive geplanter X14-Instanzen auf der kommenden Xeon-Generation. Cerebras will seine besonders schnelle Inferenz 2027 auf OCI anbieten.
OpenAI und Snowflake: Die Anwendungsebene
Die erweiterte Kooperation mit OpenAI zielt auf den Arbeitsalltag. Über den Oracle AI Workspace greifen Mitarbeiter per Plugin aus ChatGPT auf Fusion Applications, NetSuite und die Oracle AI Database zu und stoßen freigegebene Geschäftsprozesse an. Hinzu kommen ein Sicherheitsdienst auf Basis von OpenAI-Cybermodellen, ein App Composer für Anwendungen ohne Programmierkenntnisse und ein Paket für kleine Firmen mit Cloudguthaben.
Außerdem wird die Snowflake AI Data Cloud zum nativen Dienst auf OCI. Kunden kaufen ihn direkt bei Oracle, die Daten bleiben innerhalb der Plattform. Das senkt Transferkosten zwischen verschiedenen Clouds.
Absichtserklärungen und Finanzierungsfrage
Ein Blick auf den Zeitplan relativiert die Schlagzeilen. Sofort verfügbar ist vor allem die NVIDIA-Technik. Google-Chips und Cerebras folgen erst 2027, die Intel-Instanzen befinden sich noch in der Planung. Ein Teil der Ankündigungen sind damit Absichtserklärungen, deren Umsatzbeitrag sich erst über Jahre zeigt.
Marktbeobachter verweisen zudem auf die finanzielle Seite: Die Nachfrage nach KI-Kapazitäten ist enorm, der Ausbau verlangt jedoch immer höhere Investitionen. Ein erster Gradmesser ist der Aufbau der TPU-Kapazitäten, den Oracle und Google ausdrücklich über mehrere Jahre gestreckt haben.
Stand heute, 28. Oktober: Oracle – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Oracle investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 28. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

