Die Aktie von Palantir Technologies gerät erneut in den Fokus – allerdings aus einem ungewöhnlichen Grund. Bei der spektakulären US-Militäroperation zur Festnahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro im Januar kam offenbar Künstliche Intelligenz zum Einsatz, die über die Palantir-Plattform bereitgestellt wurde. Das berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf informierte Kreise.

Konkret soll das Pentagon auf die KI-Software Claude des OpenAI-Konkurrenten Anthropic zugegriffen haben – und zwar über die Datenanalyseplattform von Palantir. Möglich macht dies eine Kooperationsvereinbarung aus dem Jahr 2024, durch die Claude in die Palantir-Software integriert wurde. Die Technologie des Datenspezialistenunternehmens, die Informationen aus verschiedenen Quellen bündelt und auswertet, wird breit von US-Sicherheitsbehörden genutzt.

Ethische Gratwanderung

Wofür genau die Anthropic-Software bei der Operation eingesetzt wurde, bleibt unklar. Claude kann – ähnlich wie ChatGPT – unter anderem Dokumente analysieren und Informationen zusammenfassen. Pikant dabei: Die Nutzungsrichtlinien von Anthropic verbieten ausdrücklich den Einsatz von Claude für Gewaltanwendung, Waffenentwicklung oder Überwachung.

Anthropic selbst äußerte sich nicht dazu, ob Claude in dieser konkreten Operation zum Einsatz kam. Man betonte jedoch, dass jegliche Nutzung – egal ob in der Privatwirtschaft oder durch Regierungen – im Rahmen der Nutzungsrichtlinien bleiben müsse. Man arbeite mit den Partnern daran, dies sicherzustellen.

Anthropic-Chef Dario Amodei warnt seit langem vor den Risiken Künstlicher Intelligenz und setzt sich für stärkere Regulierung ein. Das brachte ihn bereits auf Kollisionskurs mit dem KI-Beauftragten des Weißen Hauses, David Sacks. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte im Januar deutlich gemacht, das Pentagon wolle keine KI-Modelle nutzen, „die es nicht erlauben, Kriege zu führen“. Das Ministerium schloss parallel auch einen Vertrag mit Elon Musks KI-Firma xAI.

Neue Dimension der KI-Militarisierung

Für Palantir könnte der Einsatz eine neue Dimension der Zusammenarbeit mit dem Pentagon bedeuten. Das Unternehmen ist bereits tief in die Infrastruktur der US-Sicherheitsbehörden eingebunden. Die Integration von KI-Modellen in die Plattform erweitert die Möglichkeiten erheblich – und öffnet gleichzeitig Fragen nach ethischen Grenzen und der tatsächlichen Kontrolle über die Nutzung.

Maduro und seine Frau wurden nach dem Einsatz in der Hauptstadt Caracas nach New York gebracht, wo ihnen wegen Drogendelikten der Prozess gemacht werden soll. Dass dabei modernste KI-Technologie über Palantir zum Einsatz kam, wirft ein neues Licht auf die strategische Bedeutung des Unternehmens für die US-Sicherheitsarchitektur.