Pfizer muss sich im Rechtsstreit um mRNA-Technologien einer weiteren juristischen Auseinandersetzung stellen. US-Richter William Bryson am Bundesgericht in Delaware lehnte am Dienstag Anträge von Pfizer, BioNTech und Moderna ab, mit denen die Konzerne eine vorzeitige Abweisung der Klagen des Bayer-Konzerns erreichen wollten. Damit geht das Verfahren um angebliche Schutzrechtsverletzungen bei COVID-19-Impfstoffen vor dem US-Gericht in die reguläre nächste Phase.

Streit um historische Patentrechte

Gegenstand der Klage ist das US-Patent 7,741,118. Der Bayer-Konzern wirft den Impfstoffherstellern vor, bei der Entwicklung ihrer COVID-19-Vakzine auf mRNA-Verfahren zurückgegriffen zu haben, die ursprünglich in den 1980er-Jahren beim US-Agrarchemiekonzern Monsanto entwickelt worden waren. Bayer hatte Monsanto im Jahr 2018 übernommen und damit auch dessen Patentportfolio eingegliedert.

Mit der Entscheidung des Gerichts ist weder über die Gültigkeit des strittigen Patents noch über eine tatsächliche Verletzung geurteilt worden. Richter Bryson wies lediglich das Begehren zurück, die Vorwürfe ohne eingehendere Prüfung zu verwerfen.

Bayer fordert Schadenersatz in bislang nicht öffentlich bezifferter Höhe. Einen Stopp der Produktion oder des Vertriebs der betroffenen Impfstoffe verlangt das deutsche Unternehmen hingegen nicht. Parallel dazu läuft vor einem Gericht in New Jersey ein separates Verfahren gegen den Wettbewerber Johnson & Johnson.

Umstrukturierung der Fertigung und Pipeline-Fortschritte

Für Pfizer gewinnt die operative Aufstellung des COVID-19-Geschäfts zugleich an anderer Stelle Bedeutung. Der deutsche Kooperationspartner BioNTech kündigte an, seine drei inländischen Produktionsstandorte in Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein schrittweise bis Ende 2028 zu schließen, nachdem Verkaufsverhandlungen ohne Ergebnis blieben. In der Folge beabsichtigt BioNTech, die Fertigung des gemeinsam vertriebenen COVID-19-Impfstoffs künftig zu Pfizer zu verlagern.

Abseits des Impfstoffbereichs treibt Pfizer seine Entwicklungskooperationen voran. Nurix Therapeutics vermeldete die Auszahlung eines Forschungsmeilensteins in Höhe von 7 Millionen US-Dollar durch Pfizer.

Die Zuwendung erfolgt im Rahmen einer 2023 geschlossenen Partnerschaft für zielgerichtete Proteinabbau-Wirkstoffe, die ursprünglich mit einer Vorauszahlung von 60 Millionen US-Dollar startete und potenzielle Meilensteine von bis zu 3,4 Milliarden US-Dollar umfasst. Durch die jüngste Tranche stiegen die Gesamteinnahmen von Nurix aus dieser Vereinbarung auf 82 Millionen US-Dollar.

Solide Verfassung an den Börsen

Die juristische Schlappe bremste den Kurs des Pharmakonzerns zuletzt kaum ein. Pfizer beendete den Handel am Dienstag bei 25,34 Euro. Das Papier behauptet sich damit weiterhin in unmittelbarer Reichweite seines 52-Wochen-Hochs von 25,52 Euro, das der Wert tags zuvor markiert hatte. Seit dem Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Kursplus von 19 Prozent.