Plug Power steht vor einer entscheidenden Woche. Am 25. Juli endet die Prüffrist für den Verkauf eines Texas-Grundstücks an Stream US Data Centers. Bricht der Käufer in dieser Phase ab, fehlt dem Wasserstoff-Konzern ein zentraler Baustein seines Liquiditätsplans.

Die Aktie notiert am Montag bei 1,92 Euro, ein Plus von 1,75 Prozent zum Vortag. Der Blick auf die vergangenen 30 Tage zeigt allerdings ein anderes Bild: Dort steht ein Minus von 22,47 Prozent. Anleger wägen gerade ab, ob ein frisch vorgestelltes Liquiditätspaket den anhaltenden Kapitalverzehr des Unternehmens wirklich ausgleicht.

Zwei Deals, ein enger Zeitplan

Plug Power rechnet mit mehr als 80 Millionen Dollar an kurzfristiger Liquidität aus zwei Immobiliengeschäften. Das entspricht mindestens 49 Prozent der vorläufigen liquiden Mittel zum 30. Juni. Gemessen am Kapitalverbrauch wirkt die Summe jedoch weniger beeindruckend: Im ersten Quartal verbrannte das Unternehmen 150 Millionen Dollar im operativen Geschäft. Die avisierten 80 Millionen Dollar entsprechen damit rund 53 Prozent dieses Quartalsverbrauchs. Das kauft Zeit, beweist aber keine selbsttragende Finanzierung.

Der Texas-Deal ist der erste Härtetest. Läuft die Prüffrist am 25. Juli ohne Kündigung durch Stream US Data Centers aus, soll die Zahlung von 50 Millionen Dollar bis zum 31. Juli erfolgen. Ein weiterer Betrag von 26,5 Millionen Dollar ist dagegen nicht garantiert. Er hängt von der finalen elektrischen Lastkapazität des Projekts ab. Hinzu kommt eine separate Freigabe von 14 Millionen Dollar an Sicherheiten, sobald die zugehörigen Verpflichtungen übertragen sind.

Das zweite Geschäft betrifft Plugs New-York-Gateway-Projekt und läuft deutlich langsamer. Der Preis liegt fest bei 142 Millionen Dollar, die Frist für den Verkauf der Nicht-Grundstücks-Vermögenswerte reicht bis März 2027. Eine bestehende Anzahlung von 6,5 Millionen Dollar soll zeitnah freigegeben werden, weitere 10 Millionen Dollar wandern für den Zwischenschritt des Grundstücksabschlusses in ein Treuhandkonto.

Management verteidigt den Kurs

Firmenchef Jose Luis Crespo stellt die Verkäufe als bewussten strategischen Schritt dar, nicht als Notmaßnahme. Die Monetarisierung von Vermögenswerten sei „ein zentraler Bestandteil unserer Strategie in diesem Jahr“, so Crespo. Das Unternehmen konzentriere sich weiter auf Margen, Liquidität und Auftragspipeline.

Operativ zeigt sich tatsächlich Besserung. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 22 Prozent auf 163,5 Millionen Dollar. Die Bruttomarge verbesserte sich von minus 55 Prozent im Vorjahr auf minus 13 Prozent. Der Trend geht also in die richtige Richtung – nur reicht das operative Tempo bislang nicht, um den Kapitalbedarf allein zu decken.

Analysten bleiben gespalten

Trotz der Liquiditätsankündigung sendet die Wall Street uneinheitliche Signale. Der Konsens lautet „Hold“ bei einem durchschnittlichen Kursziel von 3,22 Dollar. Susquehanna senkte ihr Kursziel zuletzt auf 2,50 Dollar und beließ die Einstufung bei „Neutral“. Morgan Stanley hob das Kursziel auf 1,65 Dollar an, bewertet die Aktie aber weiterhin mit „Underweight“. Wells Fargo erhöhte sein Kursziel auf 2,50 Dollar bei unveränderter „Equal-Weight“-Einstufung.

Die Streuung der Kursziele – von 1,65 bis 3,22 Dollar – spiegelt genau die Unsicherheit wider, um die es bei Plug Power derzeit geht: Trägt die Monetarisierungsstrategie tatsächlich, oder kauft sie dem Unternehmen nur Zeit bis zum nächsten Cash-Engpass?

Der 25. Juli markiert damit den nächsten konkreten Prüfstein. Läuft die Inspektionsfrist ohne Kündigung ab und geht die Zahlung von 50 Millionen Dollar wie geplant bis Monatsende ein, hätte Plug Power einen wichtigen Baustein seines Liquiditätsplans gesichert. Bleibt die Zahlung aus oder verzögert sich der Abschluss, dürfte die Diskussion um den anhaltenden operativen Kapitalverzehr neu an Schärfe gewinnen.