Innerhalb weniger Wochen hat sich POET Technologies von einem Kursraketen zu einem Streitfall vor US-Bundesgerichten entwickelt. Mehrere Sammelklagen belasten die Aktie. Zeitgleich steht eine Abstimmung an, die die Unternehmensstruktur grundlegend verändern soll.
Klagewelle nach dem Kurseinbruch
Am 27. April 2026 brach die Aktie an einem einzigen Tag um mehr als 47 Prozent ein. Auslöser: POET gab bekannt, dass Celestial AI — inzwischen von Marvell übernommen — alle Kaufaufträge storniert hatte. Als Grund nannte Celestial AI angebliche Verstöße gegen eine Vertraulichkeitsvereinbarung durch einen POET-Manager.
Seitdem haben mehrere US-Anwaltskanzleien Sammelklagen eingereicht. Die Klagen betreffen Käufer von POET-Wertpapieren zwischen dem 1. April und dem 27. April 2026. Die Frist zur Benennung eines Hauptklägers läuft am 29. Juni 2026 ab.
Die Vorwürfe sind zweigeteilt. Erstens soll POET seinen Status als sogenannte Passive Foreign Investment Company (PFIC) für US-Steuerzwecke falsch dargestellt haben. Zweitens habe ein Manager durch den Bruch der Geheimhaltungsvereinbarung die Stornierung des Großauftrags verursacht.
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Umzug nach Delaware als Antwort
Der Vorstand hat bereits vor dem Kurseinbruch eine Verlegung des Firmensitzes in die USA beschlossen. Auf der Hauptversammlung am 26. Juni 2026 sollen die Aktionäre darüber abstimmen. Das Ziel: Delaware als neuer Sitz, PFIC-Status weg, steuerliche Hürden für US-Investoren beseitigt.
Für das Steuerjahr 2025 will POET US-Aktionären die nötigen Unterlagen für eine sogenannte QEF-Wahl bereitstellen. Da das Unternehmen 2025 einen Nettoverlust ausgewiesen hat, soll diese Wahl keine unmittelbaren US-Steuerbelastungen auslösen.
Die laufenden Klagen dürfte der Umzug kaum berühren. Die Vorwürfe betreffen vergangene Kommunikation — nicht die künftige Konzernstruktur.
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Zahlen und Kurs
Die Aktie hat sich seit dem Tief erholt, liegt aber noch deutlich unter dem Höchststand. Am 14. Mai erreichte der Kurs 20,81 Dollar. Seitdem hat er rund 28 Prozent nachgegeben. Über zwölf Monate steht dennoch ein Plus von mehr als 216 Prozent.
Die Quartalszahlen für Q1 2026 lieferten ein gemischtes Bild. Der Umsatz von rund 503.000 Dollar übertraf die Erwartungen. Der Verlust je Aktie von 0,08 Dollar verfehlte sie hingegen. Unterm Strich stand ein Nettoverlust von 12,34 Millionen Dollar.
Operativ plant das Management eine Verzehnfachung der Produktionskapazität für optische Engines. Für 2026 peilt POET mehr als 30.000 ausgelieferte Einheiten an. Engineering-Muster aus dem gemeinsamen Entwicklungsprogramm mit Lumilens erwartet das Unternehmen Ende 2026 — eine Produktionsanlaufphase ist für 2027 geplant, ausgerichtet auf Hyperscaler-Kunden.
Zwei Termine, zwei Weichenstellungen
Der 26. Juni bringt die Aktionärsabstimmung über den US-Umzug. Drei Tage später endet die Frist für die Sammelklagen. Wie sich POET in der zweiten Jahreshälfte schlägt, hängt maßgeblich davon ab, ob die Lumilens-Zusammenarbeit erste Umsätze liefert und ob die 800G-Produktion in Malaysia planmäßig anläuft.
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