Für Puma entscheidet sich der Nutzen des ANTA-Einstiegs nicht allein an der Besetzung des Aufsichtsrats. Entscheidend sind mögliche operative Verbesserungen und die nächsten Geschäftszahlen. Die heutige Wahl von ANTA-Manager Dennis Tao zum Aufsichtsratsvorsitzenden macht den Einfluss des neuen Großaktionärs sichtbar. Eine Übernahmeofferte plant ANTA derzeit jedoch nicht.

Einfluss ohne vollständige Übernahme

ANTA hält nach dem Erwerb des Artémis-Pakets 29,06% an Puma und ist damit größter Aktionär. Der Käufer hat angekündigt, Pumas Unabhängigkeit und Markenidentität zu respektieren. Puma-CEO Arthur Hoeld erklärte, beide Unternehmen wollten Möglichkeiten für nachhaltige Wertschöpfung prüfen.

Damit stehen eine bedeutende Beteiligung und die erklärte Eigenständigkeit Pumas nebeneinander. Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Der Einstieg eröffnet Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, bedeutet aber noch keine beschlossenen operativen Maßnahmen. Auch Pumas Ziel, zu den führenden globalen Sportmarken zu zählen, bleibt zunächst eine strategische Ambition.

Wie Puma heute mitteilte, folgt Tao auf Héloïse Temple-Boyer. Jeanne Huang wurde ebenfalls gerichtlich in den Aufsichtsrat bestellt. Beide Bestellungen gelten bis zur Hauptversammlung im Mai 2027.

Roland Krüger übernimmt den stellvertretenden Vorsitz und den Vorsitz des Prüfungsausschusses von Jean-Marc Duplaix. Damit schlägt sich der Aktionärswechsel auch in den Kontrollfunktionen nieder. Die personellen Entscheidungen sind allerdings von der noch zu prüfenden geschäftlichen Zusammenarbeit zu unterscheiden.

China bietet eine mögliche Ansatzstelle

Citi bewertet eine mögliche Integration von Pumas China-Einzelhandel und Vertrieb durch ANTA positiv. Das Analysehaus erwartet nähere strategische Angaben bei ANTAs Telefonkonferenz zu den Einzelhandelsumsätzen des dritten Quartals. Eine solche Integration ist damit eine Analystenerwartung und kein bereits bestätigtes Vorhaben.

Für die Bewertung des Einstiegs zählt deshalb, welche konkreten Schritte aus der angekündigten Prüfung entstehen. Die Besetzung des Aufsichtsrats schafft dafür einen personellen Rahmen. Sie beantwortet noch nicht, wie eine Zusammenarbeit im Vertrieb aussehen oder welchen wirtschaftlichen Beitrag sie leisten könnte.

Geschäftszahlen liefern den nächsten Prüfstein

Der operative Ausgangspunkt bleibt schwierig. Nach Angaben der Deutschen Welle erzielte Puma 2025 einen Umsatz von 7,3 Milliarden Euro und verzeichnete einen Rekordverlust.

Der neue Großaktionär trifft somit auf ein Unternehmen mit erheblichem Verbesserungsbedarf. Die Beteiligung verändert die Eigentümerstruktur; sie ersetzt aber keine Fortschritte im laufenden Geschäft.

Auch beim Ergebnis signalisiert der Ausblick noch keine Rückkehr in die Gewinnzone. Erwartet wird ein operatives EBIT von −50 bis −150 Millionen Euro.

Am 30.10.2026 will Puma die Zahlen für die ersten neun Monate 2026 veröffentlichen. Dieser Termin liefert den nächsten konkreten Prüfstein für den operativen Verlauf. Für Anleger stehen damit zwei getrennte Fragen im Mittelpunkt: Hält Puma seinen Ausblick ein, und werden aus den Möglichkeiten des ANTA-Einstiegs belastbare Maßnahmen? Die heutigen Personalentscheidungen beantworten zunächst nur die Frage nach der Kontrolle.