Qualcomm hat eine weitreichende Partnerschaft mit Amazon Web Services (AWS) geschlossen, die das Unternehmen als zentralen Akteur im Markt für KI-Infrastruktur positioniert. Die mehrgenerationelle Vereinbarung umfasst die Entwicklung maßgeschneiderter KI-Inferenz-Chips sowie optischer Netzwerktechnologien für die Rechenzentren des Cloud-Giganten.
Medienberichten zufolge könnte das Transaktionsvolumen über eine Laufzeit von zehn Jahren bis zu 60 Milliarden US-Dollar erreichen. Damit treibt der Halbleiterspezialist seine Diversifizierung weg vom schwankungsanfälligen Mobilfunkmarkt konsequent voran.
Strategische Beteiligung und neue Cloud-Kapazitäten
Die finanziellen Details des Abkommens beinhalten eine signifikante Beteiligungsoption für Amazon. Qualcomm gewährt dem Partner Warrants zum Kauf von bis zu 25 Millionen Aktien zu einem Ausübungspreis von 161,26 US-Dollar pro Stück. Dies entspricht einem potenziellen Gesamtwert von etwa vier Milliarden US-Dollar.
Die Ausübung dieser Bezugsrechte ist eng an spezifische Kaufmeilensteine und das tatsächliche Bestellvolumen über die kommenden zehn Jahre gekoppelt. Ein Teil der Optionen wurde bereits mit Unterzeichnung der Verträge wirksam.
Parallel zur Kooperation mit AWS gab die Konzernleitung bekannt, dass bereits eine zweite Vereinbarung mit einem weiteren großen Hyperscaler über die Lieferung maßgeschneiderter KI-Beschleuniger besteht. Im Rahmen dieser Wachstumsstrategie liefert das Unternehmen zudem die Server-CPU Dragonfly C1000 an den Meta-Konzern für dessen nächste Server-Generation.
Ziel ist es, bei der Energieeffizienz die Konkurrenz deutlich zu übertreffen. Im Bereich der optischen Konnektivität sollen Bandbreiten von bis zu 1,6 Terabit pro Sekunde erreicht werden, um die Leistungsfähigkeit moderner KI-Rechenzentren zu steigern.
Transformation zum Spezialisten für Rechenzentren
Dieser strategische Schwenk kommt für den Konzern zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Während die Umsätze im klassischen Smartphone-Segment zuletzt unter Druck standen und die Erlöse aus der Belieferung von Apple mit Modems erwartungsgemäß zurückgehen, rücken neue Geschäftsfelder in den Fokus.
Bis zum Geschäftsjahr 2029 strebt das Management im Bereich Data Center einen Umsatz von mehr als 15 Milliarden US-Dollar an. In einem früheren Quartal lagen die Erlöse in diesem Segment noch auf einem Bruchteil dieses Wertes, was die Ambitionen der Neuausrichtung unterstreicht.
Zusätzliche Stabilität liefert die Automotive-Sparte, die im laufenden Jahr bereits Rekordumsätze verzeichnete. Laut Berichten von Reuters nutzt Qualcomm künftig verstärkt die Infrastruktur von AWS, um die eigenen Chip-Designzyklen zu verkürzen.
Durch den Einsatz von KI-gestützten Workloads in der Cloud soll die Effizienz in der Entwicklung neuer Prozessorarchitekturen gesteigert werden, um schneller auf die Anforderungen des Marktes reagieren zu können.
Einschätzungen der Analysten und Marktreaktion
Die Analysten von Piper Sandler starteten gestern die Coverage für die Aktie mit einem Kursziel von 190 US-Dollar. Die Experten bewerten die Aussichten im Bereich der Rechenzentren positiv und gehen davon aus, dass dieser Sektor bis zum Ende des Jahrzehnts rund ein Viertel der Konzernumsätze beisteuern wird.
Dennoch vergab die Investmentbank zunächst ein neutrales Rating, da das Geschäft mit Mobiltelefonen weiterhin etwa die Hälfte zum Betriebsergebnis beiträgt und somit kurzfristig ein Risikofaktor bleibt.
An der Börse wurde die Nachricht über die Allianz mit Amazon wohlwollend aufgenommen. Der Schlusskurs lag am Donnerstag bei 153,66 Euro. Damit weist das Papier seit Jahresbeginn eine positive Wertentwicklung von 3,9 Prozent auf.
Trotz der jüngsten Erholung notiert der Anteilsschein jedoch weiterhin mit einem Abstand von 31 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 222,90 Euro. Die Anleger richten ihr Augenmerk nun darauf, wie schnell die vereinbarten Kaufmeilensteine mit den Cloud-Partnern in tatsächliche Umsätze umgemünzt werden können.
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