Qualcomm will sich neu erfinden. Der Halbleiterkonzern verhandelt offenbar über den Kauf des KI-Chip-Startups Tenstorrent — und das zu einem Preis, der die Branche aufhorchen lässt.
Zehn Milliarden für einen RISC-V-Pionier
Die kolportierte Bewertung liegt zwischen acht und zehn Milliarden Dollar. Tenstorrent wurde 2016 gegründet und wird von Jim Keller geführt — einem Chip-Veteranen mit Stationen bei Apple, Tesla und AMD. Das Unternehmen entwickelt KI-Beschleuniger auf Basis der offenen RISC-V-Architektur. Das Flaggschiff, die „Galaxy Blackhole“-Plattform, bringt 768 RISC-V-Kerne mit.
Für Qualcomm wäre das ein strategischer Kurswechsel. Der Konzern baut seit Jahren auf ARM-Lizenzen. Mit Tenstorrent käme eine eigene Alternative ins Portfolio — und ein direkter Einstieg in den KI-Rechenzentrumsmarkt.
Das Ziel ist ambitioniert: Bis 2031 will Qualcomm mehr als 35 Milliarden Dollar aus dem Rechenzentrumssegment erzielen. Ob das realistisch ist, hängt maßgeblich davon ab, ob die Übernahme gelingt und wie schnell sich Tenstorrents Technologie integrieren lässt.
KI-Agenten statt Apps
Parallel dazu skizziert CEO Cristiano Amon eine neue Ära für Endgeräte. „KI-Agenten werden die neuen Apps sein“, sagte er in einem Interview. Statt durch Menüs zu navigieren, sollen Nutzer künftig mit KI-Schnittstellen interagieren.
Qualcomm arbeitet an mehr als 40 neuen KI-Geräteklassen. Darunter Smart Glasses mit prognostizierten Stückzahlen in Hunderte-Millionen-Dimensionen, KI-fähige Wearables wie Schmuck und Uhren sowie Ohrhörer mit eingebauten Kameras. Amon setzt auf „Edge AI“ — also KI-Verarbeitung direkt auf dem Gerät, nicht in der Cloud. Wer dem Nutzer am nächsten ist, gewinnt das Rennen, lautet seine These.
Kurs mit Rückenwind, aber noch Abstand zum Hoch
Die Aktie notiert bei 189,18 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn rund 28 Prozent im Plus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 222,90 Euro trennen den Kurs noch gut 15 Prozent.
JPMorgan bewertet die Aktie mit „Neutral“ und einem Kursziel von 265 Dollar. Die Analysten verweisen auf ein gemischtes Bild: Das Smartphone-Segment schrumpfte zuletzt um 13 Prozent. Automotive legte dagegen um 38 Prozent zu, der IoT-Bereich um 9 Prozent. Die Diversifizierung läuft — aber sie muss sich noch in größerem Maßstab beweisen.
Klarheit könnte ein Investor Day Ende Juni 2026 bringen. Dort will Qualcomm seine Strategie für den Rechenzentrums- und KI-Markt konkreter umreißen.
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