Der Chiphersteller Qualcomm treibt seine Abkehr von der reinen Abhängigkeit vom Smartphone-Markt massiv voran. Wie das Unternehmen im Rahmen seiner strategischen Neuausrichtung bekannt gab, konnten zwei bedeutende Verträge mit sogenannten Hyperscalern abgeschlossen werden. Diese Deals für kundenspezifisches Silizium sollen bis zum Jahr 2027 jeweils Umsätze von mehr als einer Milliarde US-Dollar generieren. Damit festigt der Konzern seine Position im wachsenden Markt für KI-Infrastruktur und Rechenzentren.

Massive Expansion im Datencenter-Segment

Die jüngsten Abschlüsse sind Teil einer ambitionierten Wachstumsstrategie, die Qualcomm auf seinem Investorentag im Juni skizzierte. Das Unternehmen hat seine Umsatzziele für den Bereich außerhalb des Handset-Geschäfts für das Geschäftsjahr 2029 deutlich angehoben: Statt der bisher anvisierten 22 Milliarden US-Dollar wird nun ein Umsatz von 40 Milliarden US-Dollar angestrebt. Besonders das Segment der Rechenzentren soll hierbei eine tragende Rolle spielen.

Medienberichten zufolge prognostiziert das Management für den Bereich Data Center einen Umsatz von 5 Milliarden US-Dollar bis 2027, der bis zum Jahr 2029 auf 15 Milliarden US-Dollar ansteigen soll. Parallel dazu wird im Automobilsektor bis 2029 ein Umsatzvolumen von 10 Milliarden US-Dollar erwartet. Diese Diversifizierung soll die Volatilität des klassischen Mobilfunkgeschäfts ausgleichen und Qualcomm als zentralen Akteur in der Bereitstellung von Rechenleistung für Künstliche Intelligenz etablieren.

Kurskorrektur trotz operativer Fortschritte

An der Börse spiegelte sich dieser Optimismus zuletzt jedoch nicht wider. Die Qualcomm-Aktie notiert aktuell bei 151,64 € und verzeichnete damit in den vergangenen 30 Tagen einen deutlichen Rückgang von über 21 Prozent. Damit liegt das Papier rund 31,97 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 222,90 €, das Ende Mai erreicht worden war. Marktbeobachter führen diesen Rücksetzer unter anderem auf allgemeine Gewinnmitnahmen im Technologiesektor und Kapazitätsengpässe bei KI-Modellanbietern zurück, die kurzfristig die gesamte Halbleiterbranche belasteten.

Trotz des Kursrückgangs zeigen sich Analysten überwiegend zuversichtlich. Das Analysehaus TD Cowen bestätigte zuletzt seine Kaufempfehlung („Buy“) mit einem Kursziel von 225 US-Dollar. Andere Experten verweisen auf die solide fundamentale Basis: Im abgelaufenen Quartal erzielte Qualcomm einen Gewinn pro Aktie (EPS) von 2,65 US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen um 0,09 US-Dollar, während der Umsatz bei 10,6 Milliarden US-Dollar lag.

Fokus auf den kommenden Quartalsbericht

Für Anleger richtet sich der Blick nun auf den 29. Juli 2026. An diesem Tag wird Qualcomm seinen nächsten Quartalsbericht vorlegen, der entscheidende Hinweise auf die Traktion im Datencenter-Geschäft und die Entwicklung der operativen Margen liefern dürfte. Während institutionelle Anleger wie die Bessemer Group ihre Positionen im ersten Quartal deutlich reduzierten, bleibt der Konsens der Analysten mit einem durchschnittlichen Kursziel von etwa 220 US-Dollar konstruktiv.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erregten jüngste Insidergeschäfte. Den vorliegenden Daten zufolge veräußerten Führungskräfte des Unternehmens, darunter CEO Cristiano Amon und weitere Mitglieder des Vorstands, in den letzten 90 Tagen insgesamt über 21.000 Aktien. Solche Transaktionen sind in der Branche nicht unüblich, werden von Marktteilnehmern vor wichtigen Terminen wie der anstehenden Bilanzpressekonferenz jedoch genau beobachtet. Angesichts der ambitionierten Ziele für 2029 und der neu gesicherten Milliarden-Deals bleibt die Frage im Raum, ob die aktuelle Bewertung bereits ein attraktives Einstiegsniveau für langfristig orientierte Investoren darstellt.