QuantumScape weitet seine Strategie radikal aus. Der Spezialist für Feststoffbatterien bricht seine reine Fixierung auf Elektroautos auf. Künftig sollen die Speicherzellen auch KI-Rechenzentren und die Luftfahrt antreiben. Damit reagiert das Unternehmen auf die schleppende Nachfrage im Automobilsektor.
Diversifikation als Strategie
Das Management hat das Geschäft in drei neue Säulen unterteilt. Während der Bereich QSEV weiterhin die Elektromobilität bedient, zielt QSDC auf die Energieversorgung von KI-Infrastrukturen ab. Hier entwickelt das Unternehmen Speicherlösungen, die direkt in die Racks der Rechenzentren integriert werden sollen.
Parallel dazu treibt die Sparte QSAS Anwendungen in der Luft- und Raumfahrt voran. Das Unternehmen verschifft bereits Prototypen der QSE-5-Zellen an einen großen US-Rüstungskonzern. Diese Testzellen stammen aus der neuen „Eagle“-Pilotlinie in San Jose, die eine deutlich höhere Produktivität erreichen soll als bisherige Anlagen.
Umbau der VW-Partnerschaft
Die Zusammenarbeit mit der Volkswagen-Tochter PowerCo bleibt ein zentraler Pfeiler, allerdings haben sich die Bedingungen geändert. Die Partner stellten die Kooperation auf ein lizenzbasiertes Modell um. PowerCo übernimmt nun früher als geplant die Verantwortung für die Fertigung und Automatisierung.
Durch diesen Schritt sinkt der Kapitalbedarf für QuantumScape. Im Gegenzug wurden die meilensteinabhängigen Zahlungen neu strukturiert. Das Unternehmen kann aus diesem Abkommen nun Gesamtzahlungen von bis zu 75,4 Millionen US-Dollar erzielen.
Finanzielle Disziplin
Trotz der hohen Entwicklungskosten verfügt QuantumScape über ein Finanzpolster von rund 859 Millionen US-Dollar. Im zweiten Quartal verbuchte das Unternehmen zudem Kundenzahlungen in Höhe von 10,8 Millionen US-Dollar. Um die Liquidität zu schonen, senkte das Management die Prognose für die Investitionsausgaben auf 27 bis 37 Millionen US-Dollar.
An der Börse hinterließ der Umbau zuletzt noch keine positiven Spuren. Der Relative-Stärke-Index (RSI) ist mit 25,8 in den tief überverkauften Bereich gefallen. Seit Jahresbeginn verlor das Papier bereits über 52 Prozent an Wert.
Der operative Fokus liegt nun auf der zweiten Jahreshälfte 2026. Bis dahin will QuantumScape die Zellproduktion durch das automatisierte „Cobra“-Verfahren verdoppeln. Der Erfolg dieser Skalierung und die Validierung der B-Samples in Feldtests entscheiden darüber, ob die Expansion in den KI-Sektor die erhoffte Trendwende bringt.
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