Der Raspberry Pi war lange das Gesicht der Bastler- und Bildungsszene. Ein kleiner Computer für 35 Euro, programmiert von Schülern und Tüftlern. Dieses Bild stimmt nicht mehr.

Das Unternehmen steckt mitten in einem radikalen Wandel. Der Verkauf von Industrieplatinen und Embedded-Lösungen macht inzwischen den Großteil der Hardware-Auslieferungen aus. Die Privatkunden sind zur Nebensache geworden.

Meilenstein erreicht

Ein entscheidender Punkt kam im letzten Berichtszeitraum. Erstmals verkaufte Raspberry Pi mehr einzelne Halbleiterchips als komplette Einplatinencomputer. Das ist ein klares Signal: Das Unternehmen etabliert sich als Zulieferer in den Lieferketten industrieller Kunden.

Dieses „Zwei-Marken-Modell“ – fertige Boards plus eigene Siliziumkomponenten – wird für den Erfolg immer wichtiger. Die Industrie schätzt die Stabilität solcher Lieferbeziehungen. Anders als beim Verkauf an Endkunden springen Unternehmen nicht von heute auf morgen ab.

Hauptversammlung als Signal

Am 10. Juni findet die Hauptversammlung in Cambridge statt. Anleger erwarten dort klarere Aussagen zum Wachstumskurs. Ein zentrales Thema wird der Umgang mit schwankenden Speicherchipkosten sein. Denn die Margen hängen maßgeblich davon ab, ob Raspberry Pi die Preise flexibel anpassen kann.

Das Interesse an günstiger Edge-Computing-Hardware wächst weltweit. Smarte Industrieanlagen, IoT-Gateways, automatisierte Produktion – all das braucht Rechenleistung direkt vor Ort.

Kann Raspberry Pi diesen Schwung nutzen? Die Hauptversammlung im Juni wird zeigen, ob der Wandel zum Industriezulieferer Substanz hat oder nur die Ergebnisse eines einzelnen Quartals verzerrt.