Auf dem Kurszettel sieht es heute nach Erholung aus. Die Redcare-Aktie legt rund zwei Prozent zu und notiert bei 44,40 Euro — ein Lebenszeichen nach einem Jahr, das die Aktionäre mit einem Kursverlust von fast 64 Prozent konfrontiert hat. Der Auftritt beim dbAccess European Champions Conference der Deutschen Bank in Frankfurt gibt dem Wert zumindest eine Investor-Relations-Bühne.
Neue Zahlen oder strategische Ankündigungen kommen von dort allerdings nicht. Das Treffen mit institutionellen Investoren fällt in eine Phase, in der die Quartalsdaten bereits auf dem Tisch liegen — und in der die entscheidende Frage unbeantwortet bleibt: Wann wird aus Wachstum echte Profitabilität?
Wachstum ja, Marge unter Druck
Im ersten Quartal 2026 steigerte Redcare den Umsatz um 18,4 Prozent auf 849,5 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA kletterte auf 14,4 Millionen Euro, nach 9,1 Millionen im Vorjahresquartal. Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich damit auf 1,7 Prozent.
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Positiv: Die Kosten kommen unter Kontrolle. Der Anteil der bereinigten Vertriebs- und Distributionskosten am Umsatz sank von 19,4 auf 16,8 Prozent. Das zeigt, dass das Modell der Online-Apotheke bei steigendem Volumen tatsächlich Skaleneffekte entfaltet.
Das Problem sitzt eine Ebene höher. Die Bruttomarge fiel im ersten Quartal auf 21,0 Prozent — nach 23,3 Prozent im Vorjahreszeitraum und auch leicht unter den 21,2 Prozent des vierten Quartals 2025. Als Ursachen nennt das Unternehmen den intensiven Wettbewerb im OTC-Segment, einen gestiegenen Rx-Anteil sowie den Effekt des im September 2025 eingeführten Rezeptbonus.
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Jahresziel als Messlatte
Redcare hat seine Jahresprognose für 2026 bestätigt. Das Unternehmen peilt ein Umsatzwachstum von 13 bis 15 Prozent an, einen deutschen Rx-Umsatz von mehr als 670 Millionen Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von mindestens 2,5 Prozent.
Der Abstand zwischen der aktuellen Quartalsmarge von 1,7 Prozent und dem Jahresziel von mindestens 2,5 Prozent ist das Kernthema, das Investoren in Frankfurt beschäftigt. Hinzu kommt die Liquiditätssituation: Die Barmittel sanken bis Ende März auf 135,0 Millionen Euro, nachdem Redcare im Quartal Wandelanleihen im Volumen von 64,5 Millionen Euro zurückgekauft hatte.
Reicht die Bruttomarge-Erosion aus, um das Jahresziel zu gefährden? Die Antwort darauf liefert nicht die Konferenz, sondern der Halbjahresbericht am 29. Juli 2026. Bis dahin bleibt der Kurs — trotz der heutigen Erholung noch 27,5 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt — ein Spiegelbild dieser Unsicherheit.
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