Volle Auftragsbücher, abgesicherte Umsätze – und trotzdem rutschte der Kurs ab. Bei der Renk Group klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Nun geht das Management in die Offensive.
Ein rein technischer Vorgang belastete das Papier zuletzt massiv. Am Montag flog Renk aus dem iSTOXX Europe Centenary Select 30 Index. Indexfonds mussten die Aktien unlimitiert abstoßen. Das drückte den Kurs gefährlich nah an sein bisheriges Tief.
Am heutigen Dienstag fangen sich die Notierungen wieder. Die Aktie klettert um 1,77 Prozent auf 46,06 Euro. Auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von rund 16 Prozent auf der Anzeigetafel.
Milliarden-Polster beruhigt Anleger
Um die Wogen zu glätten, tourt der Vorstand aktuell über Investorenkonferenzen in London und Baden-Baden. Die Botschaft ist klar: Das operative Geschäft brummt. Renk peilt für das Jahr 2026 einen Umsatz von über 1,5 Milliarden Euro an. Das operative Ergebnis soll dabei bis zu 285 Millionen Euro erreichen.
Das Besondere daran: Über 90 Prozent dieser geplanten Erlöse sind bereits durch feste Verträge gesichert. Der Gesamtauftragsbestand stieg zuletzt auf den Rekordwert von 6,9 Milliarden Euro. Das Risiko für Enttäuschungen liegt damit kaum noch im Vertrieb. Renk muss die bestellten Systeme nun schlicht termingerecht ausliefern.
Angriff auf neue Märkte
Parallel zur Bestandspflege treibt der Rüstungszulieferer seine technologische Transformation voran. Bisher dominiert Renk den Markt für Getriebe schwerer Kettenfahrzeuge wie dem Leopard 2. Jetzt zielt der Konzern mit einem neuen Getriebe-Typ gezielt auf leichtere Radpanzer ab.
Hinzu kommt eine vertiefte Partnerschaft mit dem finnischen Hersteller Patria. Beide Unternehmen entwickeln ein schweres unbemanntes Bodenfahrzeug. Renk liefert dafür die rein elektronische Steuerung von Lenkung und Bremsen. Damit positioniert sich der Getriebe-Spezialist als Systemlieferant für die automatisierte Gefechtsführung der Zukunft.
Analysten raten zum Kauf
Marktbeobachter werten den jüngsten Kursrutsch als Kaufgelegenheit. Die Privatbank Berenberg bestätigte erst in der Vorwoche ihr Kursziel von 72,00 Euro. Analyst George McWhirter lobt vor allem die attraktive Bewertung und das branchenweite Gewinnwachstum.
Charttechnisch hat sich die Lage mit einem RSI von rund 42 etwas entspannt. Investoren richten den Blick nun auf den 16. Juli. Dann nennt Renk in einem Vorab-Gespräch erste Details zum zweiten Quartal. Der vollständige Halbjahresbericht folgt am 6. August.
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