Nvidia startet am Dienstag mit einem kleinen Aufschlag von 0,5 % und kommt auf rund 183,40 Euro. Das ist noch nicht ganz befriedigend. Der Schock rund um die KI-Diskussionen ist allerdings vergleichsweise gut an Nvidia vorbeigegangen. OpenAI und Anthropic wollen die Entwicklung aus Sicherheitsgründen möglicherweise verlangsamen. Die Analysten erwarten für Nvidia weiterhin Kursziele von mehr als 300 Dollar. Nvidias mögliche Beteiligung an Anthropic verbindet zwei Seiten des KI-Geschäfts, die bislang vor allem über Lieferbeziehungen zusammenliefen. Der Chiphersteller verhandelt offenbar über eine Beteiligung von bis zu 10 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang des Claude-Entwicklers. Anthropic will bis zu 100 Milliarden Dollar aufnehmen und könnte dadurch mit rund 2 Billionen Dollar bewertet werden. Die Gespräche sind noch nicht offiziell bestätigt.
Bereits Ende 2025 investierte Nvidia Milliarden in Anthropic. Danach sagte Anthropic umfangreiche Ausgaben für Nvidia-basierte Cloud-Kapazitäten bei Microsoft zu. Für den Betrieb von Claude benötigt das Start-up große Mengen an Rechenchips. Anthropic arbeitet zudem mit Amazon, Google und Broadcom zusammen und baut ein eigenes Chip-Design-Team auf, um die Abhängigkeit von Nvidia schrittweise zu reduzieren. Die mögliche Milliardenfinanzierung fällt in eine Phase, in der Nvidia sein KI-Geschäft auch durch Übernahmen ausbaut. Am 2. September unterzeichnete der Konzern die endgültige Vereinbarung zur Übernahme von Hugging Face für 12,93 Milliarden Dollar. Der Abschluss ist erst für die erste Hälfte 2027 vorgesehen. Die Plattform erweitert Nvidias Position bei Werkzeugen für Entwickler und KI-Anwendungen.
Immer noch stark aufgestellt
Das Kerngeschäft liefert weiterhin außergewöhnliche Kennzahlen. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stieg der Umsatz um 106 % auf 96,2 Milliarden Dollar. Davon entfielen 89,0 Milliarden Dollar auf das Rechenzentrumsgeschäft. Die Bruttomarge erreichte 75,0 %. Für das dritte Quartal stellte Nvidia einen Umsatz von 108,0 Milliarden Dollar in Aussicht, ohne Rechenzentrumsumsätze aus China einzukalkulieren.
Auch für die nächste Rechnergeneration sind bereits konkrete Einsatzorte bekannt. Vera Rubin läuft bei CoreWeave, Google Cloud, Microsoft Azure, Oracle Cloud Infrastructure und Nebius. Im dritten Quartal soll die Plattform rund ein Fünftel des Rechenzentrumsumsatzes ausmachen. Piper Sandler nahm Nvidia am 10. September mit „Overweight“ und einem Kursziel von 300 Dollar in die Bewertung auf. Analyst David O’Connor verwies auf einen Marktanteil von etwa 80 % bei KI-Rechenleistung und erwartet bis zum Geschäftsjahr 2030 ein jährliches Umsatzwachstum von 47 %.
Auch Transaktionen aus dem Nvidia-Management liefern konkrete Vergleichszahlen. Direktor Mark Stevens verkaufte Anfang September rund 822.000 Aktien zu gewichteten Durchschnittspreisen zwischen 227,70 und 234,00 Dollar. General Counsel Timothy Teter veräußerte Ende August 29.000 Aktien. Direktor Tench Coxe übertrug 500.000 Aktien über einen bereits im März eingerichteten automatisierten Handelsplan.
Die Größenordnung des geplanten Anthropic-Einstiegs könnte zudem eine Signalwirkung für weitere Kapitalgeber entfalten, ähnlich wie beim Arm-Börsengang. Großbanken wie Goldman Sachs und JPMorgan positionieren sich bereits im Umfeld des möglichen Börsenstarts, der noch vor den nächsten US-Zwischenwahlen stattfinden könnte. Der mögliche Einstieg wäre damit nicht nur eine Finanzierungsentscheidung, sondern auch eine direkte Verbindung zwischen Chiplieferant und Großkunden am Kapitalmarkt.
Zusätzlichen Prüfungsdruck bringt der rund 20 Milliarden Dollar schwere Groq-Deal. Das US-Justizministerium untersucht, ob dabei kartellrechtliche Fragen entstehen. Nvidia-Chef Jensen Huang wies Vorwürfe zurück, wonach der Konzern seine eigenen Kunden über Kapitalbeteiligungen finanziere.
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