Für Renk nimmt das künftige Rüstungsgeschäft bereits konkrete Formen an. Bis sich die jüngsten Bestellungen in den Geschäftszahlen niederschlagen, werden allerdings noch Jahre vergehen. An der Börse bleibt die Aktie unter Druck, auch wenn sie am Dienstag um 0,77 % auf 36,91 Euro zulegte.

Langer Vorlauf ist an den Börsen offenbar nicht gerne gesehen

Ein Beispiel für den langen Vorlauf ist der zusätzliche Auftrag von KNDS Deutschland über rund 130 Millionen Euro. Renk soll Getriebe und Steuerungstechnik für den LEOPARD 2 und verwandte Fahrzeuge liefern. Die Auslieferungen sind erst zwischen 2029 und 2032 vorgesehen. Für die laufende Geschäftsentwicklung sind deshalb andere Programme ausschlaggebend.

Dort sehen Analysten Schwierigkeiten. JPMorgan verweist auf Verzögerungen bei deutschen Panzerprogrammen und eine schwächere Entwicklung im klassischen Industriegeschäft. Das Institut senkte sein Kursziel von 62 auf 50 Euro, behielt die Einstufung „Overweight“ aber bei. Auch Oddo BHF reduzierte seine Zielmarke von 64 auf 58 Euro, die DZ Bank von 64 auf 56 Euro. Beide empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf beziehungsweise mit „Outperform“.

Dabei verändert Renk seine Unternehmensstruktur. Die Übernahme von David Brown Defence ist inzwischen abgeschlossen. Das Gleitlagergeschäft soll dagegen an Miba verkauft werden. Damit konzentriert sich der Konzern stärker auf militärische Antriebstechnik, verzichtet künftig aber auch auf Umsätze aus dem abgegebenen Geschäftsbereich.

Wie sich der veränderte Unternehmensumfang auf die Jahresplanung auswirkt, ist deshalb eine wichtige Frage für die kommenden Zahlen. Frühere Umsatzprognosen lassen sich nicht ohne Weiteres auf die neue Struktur übertragen.

Am 5. November veröffentlicht Renk seine endgültigen Ergebnisse für das dritte Quartal. Dann stehen neben der Profitabilität vor allem der Fortschritt laufender Rüstungsprogramme und die aktualisierte Jahresplanung im Mittelpunkt. Die langfristigen Aufträge reichen bereits weit über das laufende Geschäftsjahr hinaus. Ihre Umsetzung muss sich jedoch erst in den kommenden Jahren in Umsatz und Ergebnis zeigen. Dementsprechend haben die Börsen hier derzeit auf stur geschaltet. Analysten sind und bleiben dennoch bei sehr hohen Kurszielen.