Renk baut seine Rüstungsproduktion in einem Tempo aus, das den Konzern bis zum Ende des Jahrzehnts strukturell verändern dürfte. Operativ-Vorstand Emmerich Schiller kündigte an, die Fertigung von Panzergetrieben werde 2026 auf über 800 Stück steigen – nach weniger als 600 Einheiten im Jahr 2023. Bis 2030 soll die Produktion auf über 2.000 Stück wachsen, mehr als das Dreifache des heutigen Niveaus.

Um dieses Wachstum zu stemmen, investiert Renk bis 2028 bis zu 325 Millionen Euro in Digitalisierung und Kapazitätsausbau an deutschen Standorten. Im Werk Rheine sind bereits neue Maschinen in Betrieb gegangen. Die Arbeitszeit für die Fertigung von Planetenträgern sinkt dadurch um rund 60 Prozent – ein Effizienzsprung, der Kapazität für zusätzliche Aufträge freisetzt, ohne dass die Belegschaft im gleichen Tempo wachsen muss.

Vom Zivil- zum Rüstungsgeschäft

Besonders deutlich zeigt sich der Wandel am Standort Rheine: Der militärische Anteil der dortigen Produktion soll von aktuell rund 5 Prozent auf 30 Prozent bis 2030 steigen. Parallel wächst die Belegschaft von etwa 450 auf über 500 Mitarbeiter. Renk verschiebt damit sein Standbein sichtbar in Richtung Verteidigung, während zivile Anwendungen relativ an Gewicht verlieren.

Diese Ausbaupläne fügen sich in ein Bild, das die Halbjahresbilanz Anfang August bereits gezeichnet hatte: Der Auftragsbestand kletterte auf 7,4 Milliarden Euro, nach 6,7 Milliarden Euro zum Jahresende 2025. Der Umsatz legte um 2,7 Prozent auf 637,2 Millionen Euro zu, das bereinigte EBIT stieg um 10,1 Prozent auf 98,2 Millionen Euro bei einer Marge von 15,4 Prozent.

Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz (Book-to-Bill) lag bei 1,9x, deutlich über dem Vorjahreswert von 1,5x. Für das Gesamtjahr bestätigte das Unternehmen einen erwarteten Umsatz von über 1,5 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro, gestützt von einem für 2026 angepeilten Auftragseingang von 2 Milliarden Euro.

Übernahme soll Zugang zu neuen Märkten öffnen

Zusätzlichen Schub soll die im Juli vertraglich fixierte Übernahme von David Brown Defence bringen. Das Closing wird für das vierte Quartal 2026 erwartet, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen. Renk erhofft sich davon Zugang zu Marineprogrammen in Großbritannien, Kanada und Australien sowie Technologie für U-Boot-Antriebssysteme. Nach Bloomberg-Angaben wird die Transaktion mit 200 bis 250 Millionen US-Dollar bewertet.

Sektorweite Belastung drückt auf den Kurs

Trotz der operativen Ausbaupläne blieb die Aktie am Montag nicht verschont: Sie schloss bei 47,25 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent. Grund war weniger unternehmensspezifische Nachrichtenlage als ein branchenweiter Ausverkauf deutscher Rüstungswerte – Rheinmetall, Hensoldt und TKMS verzeichneten teils deutlich stärkere Verluste. Kritische Berichte über Projektverzögerungen und Qualitätsmängel bei Bundeswehr-Projekten hatten das Vertrauen in den Sektor zuletzt belastet.

Damit notiert Renk rund 48 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 90,20 Euro, das im Oktober erreicht wurde, aber knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 46,82 Euro.

Die Kursschwäche der vergangenen Monate steht damit in einem gewissen Kontrast zu den operativen Zahlen: Während Auftragsbestand und Marge zulegen, bleibt die Bewertung am Markt von sektorweiter Skepsis geprägt, die weniger mit Renk selbst als mit generellen Zweifeln an der Umsetzung von Verteidigungsaufträgen zu tun hat.