1.010,80 Euro zahlen Anleger am Montag nun für Rheinmetall, 0,43 % weniger als am Freitag. Der Abwärtstrend bleibt fulminant. Aus charttechnischer Sicht kämpft die Aktie weiterhin dagegen, die 1.000-Euro-Marke zu unterkreuzen. Das wäre noch einmal eine herbe Niederlage. Immerhin: Die kleine Kursbewegung steht einer Nachrichtenlage gegenüber, in der der Konzern seine industrielle Rolle auf mehreren Ebenen ausbaut.

In Telford entsteht eine neue Anlage für Schwingungsprüfungen. Dort können Baugruppen mit einem Gewicht von bis zu 40 Tonnen getestet werden. Die Technik simuliert vertikale Bewegungen, Nick und Rollbewegungen sowie Vibrationen und Stöße. Zum Einsatz kommen soll sie unter anderem beim Challenger 3 und bei künftigen britischen Verteidigungsprogrammen.

Das ist kein Umsatzsprung in der Größenordnung eines Großauftrags, erweitert aber die Fähigkeiten des Standorts. Größere wirtschaftliche Volumina entstehen an anderer Stelle.

F-35 wird gebaut und geliefert

Deutschland hat 35 F 35 für insgesamt rund 10 Milliarden Euro bestellt. Der erste deutsche Jet wurde inzwischen ausgeliefert. Rheinmetall produziert die mittleren Rumpfsektionen des Flugzeugs und ist damit Teil der Lieferkette des Programms.

Im Munitionsgeschäft liegen bereits weitere Aufträge vor. Ein internationaler Kunde bestellte eine fünfstellige Menge von 155 Millimeter Geschossen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Bis Ende 2027 sollen die Lieferungen abgeschlossen sein.

Rheinmetall plant für 2030 eine jährliche Artilleriekapazität von rund 1,5 Millionen Geschossen. Das erklärt einen Teil der hohen Gewinnerwartungen. Das geschätzte KGV sinkt von 29,6 für 2026 auf etwa 20 im Jahr 2027.

Analysten kommen im Durchschnitt auf ein Kursziel von 1.641,29 Euro. Diese Bewertung setzt voraus, dass die stark ausgebauten Kapazitäten über Jahre ausgelastet werden.

Die neue Prüfanlage in Telford ist damit nur ein kleines Element einer größeren industriellen Strategie. Rheinmetall erweitert gleichzeitig Testkapazitäten, Plattformproduktion und Munitionsfertigung. Bei einer Bewertung von knapp 30 erwarteten Jahresgewinnen für 2026 reicht bloße Kapazität jedoch nicht aus. Sie muss durch langfristige Aufträge gefüllt werden, wie es beim jüngsten 155 Millimeter Vertrag bereits der Fall ist.