Rheinmetall hat binnen weniger Tage gleich mehrere Großprojekte vorangetrieben. Am 23. Juli 2026 fiel der offizielle Startschuss für den Ausbau des Werks Aschau am Inn, während parallel neue Aufträge aus dem Verteidigungsbereich bekannt wurden. Die Aktie reagierte am Donnerstag mit einem moderaten Plus von 0,93 Prozent auf 1.022,00 Euro und bestätigte damit die leichte Erholungstendenz der vergangenen Wochen.

Pulverproduktion in Aschau wird verdoppelt

Mit dem Spatenstich für das Erweiterungsprojekt „Firepower“ startet Rheinmetall am Standort Aschau am Inn eine Investition im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Ziel ist es, die jährliche Pulverproduktion bis zum Jahr 2028 auf rund 4.200 Tonnen zu verdoppeln. Das Vorhaben zählt zu den größten Kapazitätserweiterungen des Konzerns im Bereich Munitions- und Treibladungspulver und soll die Lieferfähigkeit für Kunden in Europa und darüber hinaus deutlich erhöhen.

Laserwaffe für die Marine und Milliardenauftrag für Digitalisierung

Bereits am 9. Juli 2026 hatten Rheinmetall und MBDA Deutschland einen Entwicklungsvertrag für ein Hochenergie-Laserwaffensystem zur Drohnenabwehr unterzeichnet. Die Einsatzbereitschaft auf Marineeinheiten ist für das Jahr 2029 terminiert. Im Anschluss erteilte das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) der Arbeitsgemeinschaft aus Rheinmetall Waffe Munition und MBDA Deutschland einen Großauftrag im mittleren dreistelligen Millionenbereich zur Realisierung des Marine-Laserwaffensystems – ebenfalls am 9. Juli 2026.

Bereits am 20. Juli 2026 hatte die Bundeswehr zudem Hardwarekomponenten und Integrationsleistungen im Wert von 100 Millionen Euro abgerufen. Der Abruf betrifft unter anderem 5.000 Adapterplatten und 11.000 Pin Pads und ist Teil des Projekts „Digitalisierung Landbasierte Operationen“ (D-LBO). Ausgeführt wird der Auftrag durch die Arbeitsgemeinschaft aus Rheinmetall Electronics und dem Partner blackned. Die dichte Abfolge von Vertragsabschlüssen unterstreicht, wie breit Rheinmetall derzeit im Verteidigungsgeschäft aufgestellt ist – von der klassischen Munitionsfertigung über Sensorik und Digitalisierung bis hin zu neuartigen Laserwaffensystemen.

Kursverlauf zwischen Erholung und Jahresverlust

Die jüngste Nachrichtenlage spiegelt sich auch im Kursverlauf wider. Nach dem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro im Oktober 2025 hat die Aktie deutlich an Wert verloren, notiert aber inzwischen wieder über dem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro aus dem Juni. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 8,01 Prozent zu Buche, ein Zeichen für die zuletzt gefestigte Stimmung rund um den Titel. Seit Jahresbeginn bleibt die Aktie mit einem Rückgang von 34,17 Prozent aber weiterhin deutlich im Minus – die Erholung der vergangenen Wochen hat den Kursverlust des Jahres bislang nur teilweise ausgeglichen. Mit einer Marktkapitalisierung von 47,13 Milliarden Euro zählt Rheinmetall weiterhin zu den größten europäischen Rüstungswerten.

Ausblick: Quartalszahlen und Investorentermin stehen an

Anleger richten den Blick nun auf den 6. August 2026, wenn Rheinmetall den Bericht zum zweiten Quartal 2026 veröffentlicht. Dort dürfte sich zeigen, wie sich die zahlreichen neuen Aufträge und Investitionsprojekte in den Geschäftszahlen niederschlagen. Am 1. September 2026 ist zudem eine Präsentation auf dem Berenberg Stockholm Seminar geplant, bei der das Unternehmen institutionellen Investoren seine Strategie näher erläutern dürfte. Die Kombination aus Kapazitätsausbau in der Munitionsproduktion, neuen Digitalisierungsaufträgen und dem Einstieg in Laserwaffentechnologie zeigt, dass Rheinmetall sein Portfolio an mehreren Fronten gleichzeitig ausbaut.