Rheinmetall meldet einen Auftrag nach dem anderen. Kroatien-Partnerschaft, Kuwait-Deal, Laserwaffen-Programm für die Marine. Der Kurs fällt trotzdem weiter. Diese Lücke zwischen operativer Stärke und Kursschwäche prägt die Woche des Rüstungskonzerns.
Die Aktie schloss am Freitag bei 993,00 Euro. Das bedeutet ein Tagesminus von 1,90 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Verlust von 9,48 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sogar fast 17 Prozent.
Kroatien wird zur Drohnen-Werkstatt
Am 8. Juli stellte Rheinmetall ein neues Joint Venture vor. Der Name: Rheinmetall Unmanned Vehicles d.o.o. Partner ist der kroatische Spezialist DOK-ING.
Das Ziel ist klar. Kroatien soll zum europäischen Zentrum für unbemannte Systeme werden. Die Gründung folgt auf eine Übernahme: Rheinmetall hatte am 1. Juli 51 Prozent an DOK-ING erworben. Gründer Vjekoslav Majetić hält die restlichen 49 Prozent.
Das neue Unternehmen kombiniert zwei Stärken. DOK-ING bringt über 30 Jahre Erfahrung mit, Rheinmetall die globale Fertigung. Forschung und Entwicklung bleiben in Kroatien. Dort entstehen künftig autonome Bodenplattformen für Kampfunterstützung, Pionieraufgaben und Minenräumung.
Auftragsserie reißt nicht ab
Nur wenige Tage später folgte der nächste Deal. Am 10. Juli bestellt Kuwait erstmals das Schiffsschutzsystem MASS. Acht Schiffe der kuwaitischen Marine erhalten die Systeme samt Täuschkörpermunition, der Auftragswert liegt im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Die Woche zeigt noch weitere Meldungen:
- 9. Juli: Die Bundeswehr beauftragt die Arbeitsgemeinschaft HEL aus MBDA Deutschland und Rheinmetall Waffe Munition mit einem Hochenergie-Laserwaffensystem für die Marine. Volumen: mittlerer dreistelliger Millionen-Euro-Bereich, Einsatzbereitschaft bis 2029.
- 8. Juli: Gründung des Joint Ventures mit DOK-ING in Kroatien.
- 7. Juli: Absichtserklärung mit Lockheed Martin zur gemeinsamen Produktion von ATACMS-Lenkflugkörpern in Europa.
F126-Streichung wirkt nach
Ein Rückschlag überschattet die guten Nachrichten. Die Bundesregierung strich das F126-Fregattenprogramm für Rheinmetall. Der Konzern verliert damit ein eingeplantes Auftragsvolumen von rund 20 Milliarden Euro.
Der Bund setzt künftig auf kleinere Meko-A-200-Schiffe der Konkurrenz TKMS. Rheinmetall stoppt daraufhin sofort seine Marine-Pläne. Rund 1.000 geplante Stellen fallen weg.
MWB Research reagierte umgehend. Die Analysten strichen ihre Kaufempfehlung und stufen den Titel nur noch mit „Halten“ ein.
Der reine Umsatzeffekt wirkt dabei überschaubar. Der entgangene Auftrag kostet für das laufende Jahr bis zu 300 Millionen Euro Umsatz. Gemessen an einem erwarteten Jahresumsatz von rund 14,2 Milliarden Euro erscheint der Kurseinbruch von mehr als 18 Prozent vielen Analysten überzogen.
Die eigentliche Herausforderung liegt woanders. Goldman Sachs stellt die Frage, ob Rheinmetall seine Aufträge im Umfang von mehr als 70 Milliarden Euro effizient genug abarbeiten kann. Genau darin sehen viele Beobachter den entscheidenden Engpass für das Investorenvertrauen.
Charttechnik zeigt tiefe Spuren
Die Zahlen offenbaren das Ausmaß der Korrektur. Der Kurs notiert rund 50 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.995,00 Euro vom September 2025. Zum erst am 25. Juni erreichten Jahrestief von 902,50 Euro beträgt der Abstand nur gut 10 Prozent.
Der 50-Tage-Durchschnitt liegt mit 1.168,88 Euro deutlich über dem aktuellen Niveau. Das unterstreicht die anhaltende Abwärtsdynamik. Der RSI von 37,2 signalisiert noch keine überverkaufte Situation im klassischen Sinne, während die annualisierte Volatilität von knapp 69 Prozent die Nervosität rund um den Titel zeigt.
Für die kommenden Wochen zählt eine Frage. Schlägt sich die Auftragsdynamik aus Kroatien, Kuwait und dem Laserwaffen-Programm in einer Stabilisierung nieder? Oder dominiert weiter die Skepsis der Analysten bei Auftragsabarbeitung und Marine-Strategie?
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