Technologischer Erfolg, roter Kurszettel: Bei Rheinmetall passen Nachricht und Börsenreaktion an diesem Mittwoch nicht zusammen. Der Rüstungskonzern demonstriert gemeinsam mit Hensoldt einen wichtigen Fortschritt in der digitalen Luftverteidigung. Die Aktie honoriert das nicht.
Passive Sensorik trifft auf Gefechtsführung
Rheinmetall und Hensoldt haben bei der Luftwaffen-Übung „Timber Express 2026″ ein neues System erprobt. Das passive Radar Twinvis von Hensoldt lieferte dabei ein Luftlagebild direkt in das Gefechtsführungssystem von Rheinmetall. Die Integration gilt als wichtiger Baustein für die vernetzte Kriegsführung der Zukunft.
Passive Sensoren senden selbst keine Signale aus. Das macht sie für den Gegner deutlich schwerer aufzuspüren. Für Rheinmetall unterstreicht der Test die eigene Stärke bei der Systemintegration und der bodengebundenen Luftverteidigung.
Kurs bleibt unter Druck
An der Börse kam davon wenig an. Die Rheinmetall-Aktie schloss am Mittwoch mit einem Minus von 2,6 Prozent bei 1.180,00 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Verlust von 24 Prozent zu Buche.
Zum langfristigen 200-Tage-Durchschnitt fehlen dem Titel derzeit rund 18 Prozent. Die Aktie bewegt sich damit weiterhin deutlich unter ihrem Bewertungsniveau der vergangenen Monate.
Rekordauftragsbestand stützt den Ausblick
Operativ läuft es für den Konzern weiterhin gut. Der Umsatz kletterte in den ersten sechs Monaten des Jahres um 39 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro.
Das operative Ergebnis wuchs sogar um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro. Rheinmetall wächst damit deutlich schneller als noch vor einem Jahr.
Entscheidend für die Zukunft ist der Auftragsbestand. Zum 30. Juni 2026 lag der gesamte Rheinmetall Backlog bei rund 80,5 Milliarden Euro, ein Plus von 44 Prozent zum Vorjahr.
Allein das Segment Vehicle Systems steuerte einen Auftragsbestand von 28,8 Milliarden Euro bei. Das entspricht einem Plus von 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
JPMorgan bestätigt nach den jüngsten Quartalszahlen die Einstufung „Neutral“ mit einem Kursziel von 1.350 Euro. Das Ergebnis je Aktie aus fortgeführten Aktivitäten stieg im ersten Halbjahr auf 8,43 Euro, nach 4,69 Euro im Vorjahr.
Der Rekordauftragsbestand von 80,5 Milliarden Euro gibt dem Konzern Planungssicherheit für mehrere Jahre. An der Börse zählt aktuell aber vor allem der kurzfristige Kursverlauf.
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