Rheinmetall baut seinen Standort Kassel massiv aus. Der Konzern kündigte am Donnerstag den Bau eines neuen Logistik- und Technologiezentrums am Flughafen Kassel-Calden an, unterstützt vom Land Hessen. Nach Angaben des Unternehmens umfasst das Vorhaben einen Betrag im dreistelligen Millionenbereich, Reuters beziffert das Investitionsvolumen konkret auf rund 270 Millionen Euro. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2027 geplant.

Am Standort sollen laut Reuters die Kapazitäten für Boxer-Fahrzeuge erweitert und ein Drohnen-Testzentrum aufgebaut werden. Kassel soll sich perspektivisch zum größten Panzerwerk Europas entwickeln – ein Signal dafür, wie sehr Rheinmetall trotz zuletzt gedämpfter Erwartungen an der eigenen Wachstumsstrategie festhält.

Weitere Aufträge aus dem Verteidigungsbereich

Die Ankündigung aus Kassel reiht sich in eine Serie von Nachrichten zu neuen Rüstungsaufträgen ein. Erst am 25. August hatte Rheinmetall den ersten Abruf aus dem Bundeswehr-Rahmenprogramm G-CAP II SU erhalten: den Bau eines modularen Camps in Litauen für bis zu 2.000 Soldaten, das ab Mitte August 2027 betriebsbereit sein soll.

Bereits am 17. August hatte der Konzern einen weiteren Bundeswehr-Auftrag über 149 mobile Sanitätsstationen gemeldet, nach eigenen Angaben mit einem Volumen von über 500 Millionen Euro und Produktionsstart im ersten Quartal 2027.

Diese Serie an Aufträgen steht allerdings im Kontrast zu einer Korrektur bei der Umsatzprognose. Anfang August hatte Rheinmetall nach der Aufgabe des deutschen Fregattenprogramms F126 seine Erwartung für 2026 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro gesenkt – zuvor waren 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden.

Die Kombination aus neuen Aufträgen und gesenkter Prognose zeigt: Das operative Wachstum bleibt intakt, doch einzelne Großprogramme können empfindliche Lücken reißen.

Aktie unter Druck

An der Börse spiegelt sich diese Gemengelage in einer schwachen Kursentwicklung wider. Die Rheinmetall-Aktie notiert aktuell bei 1.088,40 Euro und hat seit Jahresbeginn rund 30 Prozent an Wert verloren.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, erreicht am 3. Oktober 2025, trennen das Papier inzwischen 46 Prozent – ein deutliches Zeichen dafür, dass Anleger die Wachstumsstory zunehmend kritischer bewerten, obwohl das operative Auftragsgeschäft weiterläuft.

Die Investitionsentscheidung für Kassel fällt damit in eine Phase, in der Rheinmetall zwar operativ liefert, an der Börse aber Vertrauen zurückgewinnen muss. Ob die milliardenschweren Auftragseingänge der vergangenen Wochen ausreichen, um die Kurskorrektur zu stoppen, dürfte sich erst zeigen, wenn der Konzern die nächsten konkreten Zahlen zur Auftragslage und zur Umsatzentwicklung vorlegt.