Rheinmetall zieht die nächste klare Linie. Der Konzern verkauft seine zivile Power-Systems-Sparte und schärft damit sein Profil als reiner Defence-Anbieter. Für den Markt liegt der Knackpunkt woanders: Der Auftragsbestand ist riesig, die kurzfristige Umsetzung bleibt aber holprig.
Verkauf trennt altes Geschäft ab
Rheinmetall gibt die Power-Systems-Sparte an das Investmenthaus AEQUITA ab. Der Deal hat ein Volumen von rund 350 Millionen Euro und soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden.
Bilanziell behandelt der Konzern die Sparte bereits als nicht fortgeführte Aktivität. Für das laufende Jahr kündigt Rheinmetall eine zusätzliche nicht zahlungswirksame Wertberichtigung von etwa 200 Millionen Euro an.
Der Schritt beendet ein Kapitel aus der Zeit als Automobilzulieferer. Kapital und Management sollen nun stärker in Waffen, Munition, Fahrzeuge und Luftverteidigung fließen. Nach dem Verkauf bleiben von rund 40.000 Beschäftigten etwa 34.000 im Defence-Kernbereich.
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ILA wird zur Bühne
Der neue Kurs zeigt sich auch auf der ILA Berlin. Rheinmetall tritt dort vom 10. bis 14. Juni auf einer Fläche von rund 840 Quadratmetern auf.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem das autonome Collaborative Combat Aircraft MQ-28 Ghost Bat und das Loitering Munition System FV-014. Das erste System entwickelt Rheinmetall gemeinsam mit Boeing. Das zweite zielt auf die Schnittstelle zwischen Drohnen, Artillerie und digitaler Kriegsführung.
Das ist mehr als Messekommunikation. Rheinmetall will zeigen, dass der Konzern nicht nur mehr produziert, sondern technologisch breiter wird. Gerade in der Luftverteidigung und bei unbemannten Systemen wächst der Bedarf.
Hoher Bestand, schwacher Kurs
Operativ bleibt die Lage zweigeteilt. Der Auftragsbestand liegt bei rund 73 Milliarden Euro und gibt dem Konzern lange Sichtbarkeit. Die Aktie schloss am Freitag dennoch bei 1.190,00 Euro und liegt seit Jahresanfang 25,69 Prozent im Minus.
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Auch der Abstand zu den gleitenden Durchschnitten zeigt Druck. Der Kurs liegt 11,48 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Das Papier notiert außerdem 40,35 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.
Der Grund liegt nicht im fehlenden Geschäft. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 8 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro. Die Erwartungen verfehlte Rheinmetall trotzdem.
Das Management verweist auf verschobene Lieferungen in das zweite Quartal. Genau hier entsteht das Ausführungsrisiko: Der Konzern muss volle Auftragsbücher schneller in Umsatz und Ergebnis übersetzen.
An der Jahresprognose hält Rheinmetall fest. Der Vorstand erwartet 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro Umsatz und eine operative Marge von rund 19 Prozent. Diese Ziele sind nun der Maßstab für die Glaubwürdigkeit des neuen Kurses.
Die ILA liefert ab dieser Woche die erste Bühne für Rheinmetalls Defence-Profil. Der wichtigere Termin folgt im August 2026 mit dem Halbjahresbericht. Dann muss sichtbar werden, ob die verschobenen Lieferungen tatsächlich nachgeholt wurden.
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