Die Bundeswehr hat Rheinmetall mit der Lieferung von 149 mobilen Rettungsstationen beauftragt. Der Vertrag hat ein Volumen von mehr als 500 Millionen Euro, wie das Unternehmen heute mitteilte. Es ist der jüngste in einer Reihe von Aufträgen, die den Rüstungskonzern in dieser Woche beschäftigen.

Zeitgleich meldete Rheinmetall gemeinsam mit Hensoldt einen Meilenstein bei der vernetzten Luftverteidigung. Während der Luftwaffenübung Timber Express 2026 im bayerischen Manching wurde ein entsprechender Fortschritt erzielt. Beide Meldungen reihen sich in eine dichte Auftragslage ein, die den Konzern zuletzt geprägt hat.

Auftragsbestand wächst weiter

Bereits Anfang August hatte Rheinmetall vermeldet, der Auftragsbestand überschreite die Marke von 80 Milliarden Euro. Allein im zweiten Quartal kamen Nominierungen im Volumen von 11,371 Milliarden Euro hinzu, darunter ein Loitering-Munition-Vertrag mit der Bundeswehr und ein Rüstungspaket mit Rumänien.

Die Rettungsstationen und der jüngste Fortschritt bei der Luftverteidigung setzen diese Serie fort, ohne dass sich am grundsätzlichen Bild etwas ändert: Rheinmetall bleibt gefragter Zulieferer für europäische Streitkräfte.

Konzernchef Armin Papperger hatte Anfang August zudem ein Memorandum of Understanding mit Lockheed Martin für eine gemeinsame ATACMS-Produktion am Standort Unterlüß unterzeichnet.

Erste Umsätze aus diesem Joint Venture erwartet Papperger für 2028. Parallel bekräftigte er das Interesse an einer Übernahme des Militär-Lkw-Geschäfts von Iveco, das derzeit zu Leonardo gehört – die Gespräche hängen laut Papperger vom neuen Leonardo-Chef Lorenzo Mariani ab, den Deal sieht er aber nicht gefährdet.

Auch bei einem milliardenschweren Boxer-Vertrag mit der Bundeswehr zeigte sich Papperger zuversichtlich, dieser solle noch bis Jahresende unterzeichnet werden.

Kurs bleibt unter Druck

Trotz der Nachrichtenfülle konnte sich die Aktie zuletzt nicht stabilisieren. Am Donnerstag schloss das Papier bei 1.162,00 Euro, ein Minus von 1,5 Prozent gegenüber dem Vortag.

Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Rückgang von 3,6 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat die Aktie 25 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, erreicht am 3. Oktober 2025, trennen das Papier inzwischen 42 Prozent.

Die Skepsis speist sich auch aus jüngeren Analystenstimmen. JPMorgan-Analyst David Perry äußerte sich am Donnerstag zu wachsenden Unsicherheiten: Die Ergebnisse des zweiten Quartals seien zwar stark ausgefallen, doch Änderungen bei den Erwartungen zum Auftragsbestand Ende 2026 sowie bei den Investitionsausgaben bis 2028 deuteten auf geringere Umsätze im Zeitraum 2027 bis 2030 hin. Bereits am 6. August hatte JPMorgan die Einstufung „Neutral“ mit Kursziel 1.350 Euro bestätigt.

Für Anleger ergibt sich damit ein zwiespältiges Bild: Operativ liefert Rheinmetall Auftrag um Auftrag, von Rettungsstationen über Luftverteidigung bis zu Großprojekten mit Lockheed Martin. An den Kapitalmärkten überwiegt jedoch die Sorge, ob das Wachstumstempo der vergangenen Jahre über 2026 hinaus zu halten ist.

Der Bundestag wird sich am 9. Dezember 2026 mit dem Arminius-Programm befassen – ein weiterer Termin, der die künftige Auftragslage des Konzerns mitbestimmen dürfte.