Rheinmetall baut seine Munitionsproduktion in bislang unbekanntem Tempo aus, während die Bewertung an der Börse deutlich zurückgekommen ist. Am Freitag schloss die Aktie bei 1.032,60 Euro und legte damit um 1,29 Prozent zu. Auf Monatssicht steht seit dem 30-Tage-Vergleich ein Plus von 9,61 Prozent, vom Rekordhoch aus dem Oktober trennen das Papier jedoch weiterhin 48,55 Prozent. Zwischen Kapazitätsausbau und Kurskorrektur liegt derzeit ein auffälliger Widerspruch, den mehrere Analysehäuser in dieser Woche mit deutlichen Kurszielsenkungen quittiert haben.
Pulverfabrik Aschau als Herzstück des Firepower-Programms
Im Zentrum der aktuellen Nachrichtenlage steht der Ausbau der Treibladungspulver-Produktion. Am Freitag legte Rheinmetall in Aschau am Inn den Grundstein für eine der größten Pulverfabriken Europas. Allein an diesem Standort investiert der Konzern 350 Millionen Euro, das übergeordnete Programm mit dem Namen „Firepower“ umfasst insgesamt 650 Millionen Euro. Bis 2030 soll die Jahreskapazität auf 20.000 Tonnen Treibladungspulver steigen, die Belegschaft am Standort wächst von 800 auf rund 1.400 Beschäftigte. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bezifferte die Gesamtinvestition am Standort auf 500 Millionen Euro und sprach von 500 neuen Arbeitsplätzen. Die Produktion soll 2027 anlaufen, die Maximalkapazität ist für 2028 vorgesehen. Parallel dazu hat Rheinmetall aus dem neuen Werk Unterlüß erste 155-Millimeter-Geschosse an die Ukraine geliefert, während die Bundeswehr aus einem laufenden Digitalisierungsvertrag 100 Millionen Euro abruft.
Analysten kappen Kursziele trotz Wachstumskurs
Trotz des Ausbautempos reagierten mehrere Banken mit spürbaren Abschlägen bei den Kurszielen. Barclays sieht das Papier weiterhin am oberen Ende der Erwartungen bei 2.000 Euro, während Jefferies mit 1.300 Euro deutlich zurückhaltender bleibt. Weitere Häuser siedelten ihre Ziele zwischen 1.600 und 1.800 Euro an – insgesamt eine breite Spanne, die Unsicherheit über die kurzfristige Ertragsentwicklung signalisiert. Ein Belastungsfaktor ist die drohende Stornierung des Programms F126, die nach bisherigen Einschätzungen einen Umsatzverlust von bis zu 300 Millionen Euro nach sich ziehen könnte. Aufschluss über den tatsächlichen Geschäftsverlauf dürfte der Halbjahresbericht bringen, den Rheinmetall am 6. August vorlegt.
China verschärft Exportkontrollen
Zusätzliche Unsicherheit brachte am Wochenende eine politische Entscheidung: China verhängte Exportkontrollen gegen Rheinmetall und 13 weitere europäische Unternehmen, betroffen sind Güter mit doppeltem Verwendungszweck. Peking reagiert damit auf EU-Sanktionen gegen Russland. Rheinmetall hält an seiner bisherigen Prognose fest und rechnet weiterhin mit einem Umsatzwachstum von 40 bis 45 Prozent bei einer operativen Marge von rund 19 Prozent. Für Anleger bleibt die geopolitische Gemengelage damit ein zentraler Risikofaktor, auch wenn das Unternehmen bislang keine operativen Auswirkungen auf seine Ziele meldet.
Neue Aufträge und Beteiligungen im Rüstungsgeschäft
Im Bereich Drohnenabwehr rückt zudem ein Auftrag für ein Laserwaffensystem in den Fokus. Die Arbeitsgemeinschaft ARGE HEL aus MBDA Deutschland und Rheinmetall Waffe Munition hat im Rahmen eines regulären Vergabeverfahrens des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr den Zuschlag erhalten. Das Volumen liegt bei rund 390 Millionen Euro, vorgesehen sind drei Demonstratoren für die Marine bis Ende des Jahrzehnts. Rheinmetall-Chef Armin Papperger kommentierte den Auftrag mit den Worten: „Wir können liefern.“ Daneben genehmigte das Bundeskartellamt ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Rheinmetall Landsysteme und der Ukrainian Defence Industry in Kiew, weitere behördliche Freigaben stehen noch aus. Zusätzlich prüft der Konzern eine Übernahme der German Naval Yards Kiel und beteiligte sich mit 175 Millionen US-Dollar an dem auf maritime Verteidigungstechnik spezialisierten Unternehmen Kraken Technology.
Für Anleger bleibt die Gemengelage aus Kapazitätsausbau, politischem Gegenwind und vorsichtigeren Analystenstimmen unübersichtlich. Mit dem Bericht zum zweiten Quartal am 6. August dürfte sich zeigen, wie belastbar die Wachstumsprognose angesichts der jüngsten Belastungsfaktoren tatsächlich ist.
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