Rheinmetall hat diese Woche einen mehrjährigen Umbau abgeschlossen. Mit der Unterzeichnung des Verkaufsvertrags für die Division Power Systems ist der Konzern nun formal ein reines Verteidigungsunternehmen. Der Kurs spiegelt das noch nicht wider.
Zivilsparte verkauft, Transformation abgeschlossen
Am Mittwoch unterzeichnete Rheinmetall den Kaufvertrag mit der Beteiligungsgesellschaft AEQUITA. Der vorläufige Kaufpreis: 350 Millionen Euro für 100 Prozent der Anteile. Den vollständigen Vollzug plant der Konzern für das vierte Quartal 2026.
Die Sparte litt zuletzt unter der Schwäche des Automobilsektors. Ihre Trennung öffnet den Weg zur Fokussierung auf die margenstarken Bereiche Weapon and Ammunition, Vehicle Systems und Air Defence. Bilanziell ist die Sparte bereits als „discontinued operation“ klassifiziert. Für 2026 kommt eine nicht zahlungswirksame Wertminderung von rund 200 Millionen Euro hinzu.
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Rekord-Auftragsbuch, aber Kurs auf Jahrestief
Das operative Bild ist eindrucksvoll. Der Auftragsbestand erreichte rund 73 Milliarden Euro — mehr als fünf Jahresumsätze. Erst vor wenigen Tagen bestätigte Rheinmetall einen Rahmenvertrag mit Rumänien über 5,7 Milliarden Euro.
An der Börse kommt das bislang nicht an. Die Aktie notiert seit Jahresbeginn rund 25 Prozent im Minus und liegt knapp 40 Prozent unter dem Hoch vom September 2025. Das 52-Wochen-Tief von 1.099,80 Euro datiert vom 13. Mai. Aktuell hält sich der Kurs bei 1.204,60 Euro — knapp über der Marke von 1.200 Euro.
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ILA Berlin als nächster Prüfstein
Vom 10. bis 14. Juni tritt Rheinmetall auf der ILA Berlin erstmals in seiner neuen Struktur auf. Im Mittelpunkt stehen drei Systeme:
- Loitering Munition FV-014: Reichweite bis 100 Kilometer, Rahmenvertrag mit der Bundeswehr im Milliardenbereich bereits gezeichnet
- Skyranger 30: Mobiles Flugabwehrsystem, bestellt von Deutschland, Österreich und Dänemark
- MQ-28 Ghost Bat: Unbemanntes System aus dem Bereich digitale Domäne, präsentiert neben SAR-Satelliten
Die Diskrepanz zwischen Rekord-Auftragsbuch und schwachem Kurs bleibt das zentrale Thema. Ob die formale Buchung des rumänischen Auftrags im zweiten Quartal und der Fortschritt bei der Integration der maritimen Aktivitäten die Stimmung drehen, zeigt sich spätestens am 6. August — wenn Rheinmetall die Halbjahreszahlen vorlegt.
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