Der Ausbau der geplanten ATACMS-Raketenproduktion zusammen mit Lockheed Martin verzögert sich. Rheinmetall erklärte gegenüber Reuters, der Hochlauf der Fertigung benötige mehr Zeit als ursprünglich gedacht. Für Anleger ist das eine unbequeme Nachricht, denn der Auftrag gilt als eines der größeren Wachstumsprojekte im Munitionsgeschäft des Konzerns.
Reuters bezifferte den Rheinmetall-Anteil an dem Vertrag auf 12,4 Milliarden Euro, bei einem Gesamtvolumen von rund 25 Milliarden Euro inklusive des Partners KNDS.
Ein Projekt dieser Größenordnung wirkt sich spürbar auf den milliardenschweren Auftragsbestand aus, den der Düsseldorfer Rüstungskonzern zum 30. Juni mit 80,5 Milliarden Euro auswies. Dass die Fertigung nun langsamer anläuft als geplant, verschiebt Umsatzbeiträge in die Zukunft, ohne den grundsätzlichen Auftragswert infrage zu stellen.
Prognosesenkung wirkt nach
Die Verzögerung trifft Rheinmetall zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie ohnehin unter Druck steht. Vor gut einer Woche hatte der Konzern seinen Umsatzausblick für 2026 gesenkt, nachdem das Fregattenprogramm F126 weggefallen war.
Statt der zuvor avisierten 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro rechnet Rheinmetall nun mit 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro Umsatz, bedingt durch eine Belastung von bis zu 300 Millionen Euro im Bereich Naval Systems. An der Ergebnismarge von rund 19 Prozent und dem organischen Umsatzwachstum von 28 bis 31 Prozent hält der Konzern jedoch fest.
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Konzernumsatz auf 5,227 Milliarden Euro nach 3,749 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum, das operative Ergebnis legte um 74 Prozent zu. Allerdings drückte ein operativer Free Cash Flow von minus 1,616 Milliarden Euro auf die Bilanz, den der Konzern mit später eingehenden Vorauszahlungen, Lageraufbau und laufenden Kapazitätsinvestitionen begründete.
Genau in diesem Umfeld von Kapazitätsaufbau reiht sich die ATACMS-Verzögerung ein: Rheinmetall investiert derzeit in großem Stil, während einzelne Programme länger brauchen als geplant.
Analysten reagierten mit Vorsicht
Am 6. August, unmittelbar nach der gekappten Jahresprognose, stufte mwb research Rheinmetall herab und senkte das Kursziel auf 1.050 Euro. Die Reaktion fiel in eine Phase, in der mehrere Häuser ihre Einschätzungen an die neue Umsatzspanne anpassten.
Am Kapitalmarkt bleibt die Stimmung entsprechend gedämpft. Die Aktie notiert aktuell bei 1.170,00 Euro und damit 42 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro vom 3. Oktober. Zugleich liegt sie 30 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro, was auf eine gewisse Stabilisierung nach dem scharfen Kursrückgang seit Jahresbeginn von 25 Prozent hindeutet.
Der Handel bewegt sich damit in einer Zone zwischen Erholung und fortgesetzter Vorsicht – Investoren dürften genau beobachten, ob sich der ATACMS-Hochlauf in den kommenden Quartalsberichten beschleunigt oder das Programm zu einem weiteren Belastungsfaktor wird.
Für das operative Geschäft bleibt die Bundeswehr weiterhin ein verlässlicher Auftraggeber. Erst kürzlich bestellte sie zusätzliche mobile Rettungsstationen im Wert von über 500 Millionen Euro. Solche kontinuierlichen Inlandsaufträge federn kurzfristig ab, was internationale Großprojekte wie ATACMS an Tempo verlieren.
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