Rheinmetall meldete am Montag den Abschluss eines Entwicklungsauftrags für die amerikanische Tochtergesellschaft American Rheinmetall: Die US Army beauftragte im Rahmen des „Project Sustainment“ die Entwicklung autonomer, hybridbetriebener unbemannter Bodenfahrzeuge über eine Laufzeit von 18 Monaten. Der Auftrag reiht sich in eine Serie von Meldungen, die zeigen, wie breit der Konzern seine militärische Auftragslage inzwischen aufgestellt hat.

Bereits am 10. August hatte Rheinmetall die Rolle als Systemintegrator für die unbemannte Kampfdrohnenplattform MQ-28 Ghost Bat von Boeing bekanntgegeben. Diese Integrationsvereinbarung baut auf einer bereits im März geschlossenen Partnerschaft zur Beschleunigung des deutschen „Collaborative Combat Aircraft“-Programms auf. Rheinmetall übernimmt dabei die technische Einbindung der unbemannten Plattform in nationale Luftfahrtsysteme.

Auftragsbestand knackt 80-Milliarden-Marke

Zum Ende des zweiten Quartals überschritt der Auftragsbestand des Konzerns erstmals die Schwelle von 80 Milliarden Euro. Diese Größenordnung unterstreicht, wie tief die Aufträge inzwischen in die kommenden Jahre hineinreichen – ein Umstand, der die Diskussion um kurzfristige Verschiebungen bei einzelnen Programmen relativiert.

Einen weiteren Baustein bildet ein bereits im April geschlossener Rahmenvertrag über autonome Aufklärungs- und Angriffsdrohnen, aus dem inzwischen ein erster Abruf im Wert von rund 300 Millionen Euro erfolgt ist. Die Produktion soll vollständig innerhalb der EU angesiedelt werden – ein Punkt, den Rheinmetall im Zusammenhang mit europäischer Souveränität bei Verteidigungstechnologie betont.

Naval Systems mit langfristiger Zielmarke

Für die Sparte Naval Systems bestätigte Rheinmetall am Dienstag die langfristige Prognose: Bis 2030 soll die Sparte einen Umsatz von rund 5 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von etwa 15 Prozent erreichen.

Diese Bestätigung erfolgt vor dem Hintergrund der im Vormonat bekanntgegebenen Stornierung des Fregatten-Programms F126 durch das Bundesverteidigungsministerium, die Rheinmetall zu einer Senkung der Gesamtjahresprognose um 300 Millionen Euro auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro zwang.

Das Margenziel von 19 Prozent für den Konzern blieb davon unberührt. Als Reaktion auf den Wegfall des F126-Programms bewirbt sich Rheinmetall inzwischen mit dem Fregatten-Typ GMF140 um einen Milliardenauftrag der US Navy.

Kurs erholt sich von Tiefstständen

Am gestrigen Dienstag schloss die Aktie bei 1.211,80 Euro, ein Minus von 0,4 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht dagegen ein Plus von 23 Prozent zu Buche – die Erholung nach der Kurskorrektur im Zuge der F126-Stornierung setzt sich damit fort. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro, das Anfang Oktober markiert wurde, fehlen dem Papier aktuell 40 Prozent.

Die Vielzahl neuer Aufträge aus den Bereichen Landsysteme, Drohnentechnologie und unbemannte Luftplattformen zeigt, dass Rheinmetall seine Diversifizierung über nationale Grenzen und Waffengattungen hinweg konsequent vorantreibt. Der Rückschlag beim Fregattenprogramm bleibt damit ein Einzelfall innerhalb eines insgesamt wachsenden Auftragsportfolios.