Rheinmetall treibt seine internationale Expansion parallel an mehreren Fronten voran. Während der Rüstungskonzern in den vergangenen Tagen bereits mit einem Großauftrag für Artilleriemunition und einem US-Geschäft für Aufmerksamkeit sorgte, folgen nun zwei neue Vorhaben in Nordamerika und Großbritannien, die das Wachstum außerhalb Deutschlands unterstreichen.
Spatenstich in Quebec zum Kanada-Jubiläum
Rheinmetall Canada hat den Ausbau seines Werks in Saint-Jean-sur-Richelieu in der Provinz Quebec begonnen. Der symbolträchtige Spatenstich fällt mit dem 40-jährigen Bestehen der kanadischen Tochter zusammen. Die Produktionsfläche wächst um 4.830 Quadratmeter, die Lagerkapazität um weitere 2.230 Quadratmeter – geplant vor allem für die Fertigung autonomer unbemannter Bodensysteme (Uncrewed Ground Systems).
Seit 2024 hat Rheinmetall nach eigenen Angaben bereits mehr als 150 Millionen kanadische Dollar in seine dortige Präsenz investiert. Über die vier Jahrzehnte hinweg wickelte der Konzern mehr als 20 Programme für die kanadischen Streitkräfte ab und beziffert den wirtschaftlichen Nutzen für das Land auf über 1,5 Milliarden kanadische Dollar.
Bemerkenswert ist die Tiefe der lokalen Lieferkette: Fast 1.000 kanadische Mittelständler sind eingebunden, davon mehr als 600 allein in Quebec. Der Ausbau signalisiert, dass Rheinmetall seine Fertigungskapazitäten nicht nur in Europa, sondern gezielt auch in NATO-Partnerländern verankert.
Team Wolf: Kooperation mit Mercedes-Benz in Großbritannien
Auf der anderen Seite des Atlantiks bündelt Rheinmetall UK seine Kräfte mit Mercedes-Benz UK. Unter dem Namen „Team Wolf“ zielt die Partnerschaft auf das britische Land Mobility Programme der Armee ab. Als Basis dient die G-Klasse von Mercedes, ein Fahrzeug mit 45-jähriger Historie. Das Werk in Telford, das zu Rheinmetall BAE Systems Land (RBSL) gehört, soll als Vehicle Integration Centre fungieren.
Ein zentrales Element der Vereinbarung ist die Zielsetzung, bis zu 50 Prozent der Wertschöpfung in Großbritannien selbst zu erbringen. Damit reagiert Rheinmetall auf einen Trend, der sich in vielen NATO-Staaten verstärkt: Regierungen verlangen zunehmend lokale Fertigungsanteile als Bedingung für Rüstungsaufträge.
Die Kooperation mit einem etablierten Automobilhersteller wie Mercedes-Benz könnte dabei helfen, diese Vorgaben zu erfüllen und gleichzeitig auf bewährte Fahrzeugtechnik zurückzugreifen.
Kurs bleibt unter Druck
Trotz der operativen Fortschritte bleibt die Aktie schwach. Am Mittwoch schloss das Papier bei 1.012,80 Euro, ein Minus von 1,4 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 16 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat der Titel rund 35 Prozent verloren.
Der breitere Marktrahmen bleibt herausfordernd: Die US-Notenbank hob am Mittwoch ihren Leitzins erstmals seit 2023 um 0,25 Prozentpunkte an.
Steigende Zinsen verteuern Kapital branchenübergreifend und belasten insbesondere Wachstumswerte mit hohen Investitionsplänen – ein Umfeld, in dem operative Erfolgsmeldungen wie die Expansion in Kanada und Großbritannien es derzeit schwer haben, sich im Kurs niederzuschlagen.
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